Sehenswert in Weilburg

Weilburger Denkmäler

Gedenktafel für vertriebene und ermordete Weilburger Juden

Weilburg, Gedenktafel für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger Weilburgs

Gedenktafel für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger Weilburgs

An der Ostseite der Weilburger Schlosskirche befindet sich eine Tafel zum Gedenken an vertriebene und ermordete jüdische Bürger aus Weilburg. 48 verschiedenfarbige Tontafeln sind auf der Unterlage eingelassen und auf 45 dieser Tontafeln sind Namen und Daten von Jüdinnen und Juden eingraviert, die zwischen 1933 und 1940 aus Weilburg vertrieben oder deportiert wurden oder ermordet worden sind. Drei Tafeln aus weißem Ton tragen die nachstehende Inschrift, dazu einen siebenarmigen Leuchter und einen Davidstern.

JÜDISCHE MITBÜRGERINNEN UND MITBÜRGER
1933-1940
Sie mußten auswandern,
sie wurden deportiert oder wählten den
Freitod. Einige starben außerhalb.
Das Schicksal mancher ist unbekannt.
  

Einhundertvierzehn Namen werden genannt, Einzelpersonen, Ehepaare, Familien. Zu  den Namen sind manchmal nur die Geburtsdaten vermerkt, manchmal das Auswanderungsland und das Jahr. Auf anderen Tafeln konnte dem Namen nur die Angabe "deportiert" oder die des Konzentrationslagers angefügt werden. Und auf manchen Tafeln sind es allein die Namen, mit denen an die Verbrechen in dieser Zeit erinnert wird.

Die Tontafeln sind abwechselnd aus rotbraunem und weißem Ton geformt, in den die Namen und Daten eingeritzt sind. Die einzelnen Tontafeln wurden in eine Unterlage eingebettet und so zu einer Gedenktafel verbunden. Die Tafeln waren das Ergebnis einer Initiative der Heinrich-von-Gagern-Schule, ihrer Schüler und der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde Weilburg. Geschaffen wurden die Tontafeln von einer Jugendgruppe während einer Wochenendfreizeit mit der damaligen katholischen Pastoralreferentin Bernadette Ackva. Bei den Namen und Daten konnte auf Angaben von Herrn Warlies zurückgegriffen werden, die dieser im Rahmen seiner Nachforschungen zur Geschichte der in Weilburg lebenden Juden festgestellt hatte. Unmittelbarer Anlass war der ökumenische Gottesdienst am Buß- und Bettag 1988, der in Erinnerung an die Reichspogromnacht im Jahr 1938 stattfand.

Neben dieser Gedenktafel für vertriebene und ermordete Juden aus Weilburg an der Schlosskirche existiert noch eine Erinnerungstafel auf dem jüdischen  Friedhof und eine Hinweistafel am Haus Bogengasse 2, wo sich bis 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Weilburg befand. Es existieren noch keine Erinnerungstafeln an den Häusern, in denen Juden bis zu ihrer Vertreibung oder Deportation in Weilburg wohnten.