Sehenswert in Weilburg
Straßen, Gassen, Häuser
Mauerstraße 2 (Komödienbau)
Komödienbau in der Mauerstraße
Den Beginn der Mauerstraße am "Denkmal", gegenüber der Neugasse, markiert auf der rechten Straßenseite das Gebäude des Komödienbaus. Bis zum Bau dieses Gebäudes nahm diesen Platz das Herrschaftliche Holzmagazin ein. Stadt und Bürgerschaft hatten bereits 1775 Fürst Carl Christian gebeten, diesen Platz für die Errichtung eines neuen Amtshofes zur Verfügung zu stellen, da der alte Amtshof wegen Baufälligkeit aufgegeben werden sollte.
Mehrere Zeichnungen und Pläne für ein repräsentatives Amtshofgebäude waren, wahrscheinlich von dem Baumeister Friedrich Ludwig Gunckel, bereits erstellt worden, doch der Fürst lehnte den Bau an dieser Stelle ab. Den Abbau des Holzmagazins veranlasste sein Nachfolger Fürst Friedrich Wilhelm (1787-1816). Dem Minister Hans Friedrich von Gagern ist es zu verdanken, dass unmittelbar nach Verlegung des Holzmagazins an diesem Platz 1810 der Bau eines repräsentativen Hoftheaters erfolgte, das die Bezeichnung Komödienbau erhielt. Nicht mehr festzustellen ist der verantwortliche Architekt, entweder Leidner oder Schrumpf.
Dem breiten, dreiachsigen Mittelteil ist über der mittleren Achse ein Dreieckgiebel aufgesetzt. Im Mittelteil des Gebäudes befindet sich der Saal, weshalb auch nur dieser Bauteil dreigeschossig ausgeführt ist und für die Fenster im zweiten Obergeschoss florentinische Bogenfenster in Blendrahmen verwendet wurden. Ansonsten ist das Gebäude durchgehend zweigeschossig. Das Erdgeschoss wurde in Putzbandrustika ausgeführt und mit Rundbogenfenstern versehen. Die drei Portale in der Straßenfassade sind durch markante Überdachungen auf Konsolen hervorgehoben.
Das alte Gymnasium in der Mauerstraße (rechts) und der Komödienbau gegenüber
In den ersten Jahren fanden regelmäßige und vom Hof geförderte Theateraufführungen statt. Als 1816 die die Verlagerung der herzoglichen Residenz von Weilburg nach Wiesbaden erfolgte, wurde das Gebäude teilweise der Casinogesellschaft zur Nutzung überlassen, zum Teil wurde es anderweitig vermietet. Mit einer Erlaubnis der Landesregierung wurde dem Gymnasium 1817 gestattet, den großen Theatersaal für Veranstaltungen zu nutzen. Eine weitere großzügigere Nutzung wurde dem Gymnasium, trotz der dort bestehenden Raumnot, von der Kasinogesellschaft nicht eingeräumt.
Zwischen 1848 und 1872 diente der Bau vor allem als Offizierskasino und erst als die Garnison aus Weilburg verlegt wurde, war eine weitgehende Nutzung des Komödienbaus durch das Gymnasium möglich.
1879 erfolgten Umbauten im Komödienbau für schulische Zwecke, nachdem der nassauische Central-Studienfonds im Jahr 1872 Mittel dafür bereit gestellt hatte. Weitere Umbauten für die Nutzung durch das Gymnasium erfolgten auch in späteren Jahren; darunter die Umgestaltung des ehemaligen Theatersaals zur Aula und der Bau eines Verbindungstunnels unter der Mauerstraße zwischen Gymnasium und Komödienbau in den Jahren 1935/36. Nach dem Wegzug des Gymnasiums aus der Mauerstraße in den 1965 fertig gestellten Neubau, wurde der Komödienbau von anderen Schulen genutzt. Dabei diente die Aula als Turnhalle. Dies führte zehn Jahre später zu deren Sperrung wegen Baufälligkeit. Die Nutzung des Komödienbaus und des alten Gymnasiums für schulische Zwecke endete 1997.
Bis 1997 waren das alte Gymnasium und der Komödienbau im Besitz des Kreises Limburg- Weilburg. Am 23.07.1997 wurden beide Gebäude von der Stadt angekauft und anschließend mit einem Kostenaufwand von ca. 5 Millionen DM saniert. Heute befinden sich mehrere Geschäfte und ein gastronomischer Betrieb im Komödienbau; in der Aula finden kulturelle Veranstaltungen statt und sie wird als Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung genutzt.
