Sehenswert in Weilburg

Straßen, Gassen, Häuser

Piseebau: Niedergasse 22 (Hainallee 1)

Weilburg, Piseebau, Niedergasse 22, früher Hainallee 1

Piseebau; Niedergasse 22 (früher Hainallee 1), Straßenfront an der Niedergasse

Weilburg, Piseebau, Niedergasse 22, früher Hainallee 1

Piseebau; Niedergasse 22, früher Hainallee 1, Straßenfront an der Niedergasse

Bei der Fahrt durch die Stadt Weilburg, auf ihrer Hauptverkehrsstraße zwischen Steinerner Brücke und Landtor, passiert man im oberen Teil der Niedergasse einen einzeln stehenden und unscheinbaren Bau. Dieses Wohnhaus ist in Deutschland - und vermutlich darüber hinaus - ebenso einmalig wie der Schifffahrtstunnel, im Gegensatz zu diesem ist die Einmaligkeit dieses Hauses aber sehr viel weniger bekannt und auch vielen Weilburgern nicht bewusst.

Das Wohnhaus ist nach Feststellungen von van Beek das höchste in Piseebauweise (Lehmstampfbau) (s. Abschnitt "Piseebau") errichte Gebäude Europas. Gebaut wurde das Haus auf dem steil in die Hainallee und zur Lahn hin abfallenden Berghang, weshalb von der Straßenfront an der Niedergasse auch "nur" drei Stockwerke des Gebäudes sichtbar sind. Vom Grund der Hainallee ragt das Wohnhaus sechs Stockwerke in die Höhe.

Das Haus wurde von W. J. Wimpf in den Jahren 1825-1828 erbaut (A. Reimann, 1947) nach anderen Quellen um 1935 (Lehmann, Denkmaltopographie). Seine beiden Söhne sind als erste Eigentümer für dieses Haus in das Weilburger Stockbuch (Grundbuch) eingetragen (allerdings ohne Jahresangabe). Später ging das Haus an den Procurator Rath und seine Ehefrau, geb. Wimpf über, für den es am 27.11.1850 im Brandkataster eingetragen wurde.

In seiner Schrift Der Pisé-Bau. Nachtrag zu der Abhandlung unter diesem Titel (Heilbronn, ohne Erscheinungsjahr) schreibt Wimpf, dass er 

dieses Jahr ein 3stöckiges Gebäude an einem ganz steilen Berg 54 Fuß lang 40 Fuß tief aufführen lassen. Dadurch ist im Souterrain ein großer Kellerraum mit Gurten- und Kappengewölben und noch viel Zimmerraum bis zum Sockel des Gebäudes entstanden, so daß die vordere Front 3 Stock und die hintere 78 Fuß hoch ist und die beiden Giebel noch 6 Fuß höher.

Mit diesem Bau ist mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nicht das Piseehaus in der Niedergassae 22 (Hainallee 1) gemeint, da die von Wimpf gen. Maße auf diesen Piseebau nicht zutreffen.

Anmerkung:
(ein Fuß = 30,4 cm)


Quellen:
Schick, Wilhelm (1987): Der Pisé-Bau zu Weilburg an der Lahn.
1. Aufl. Hg. v. Bürgerinitiative „Alt-Weilburg“ e. V. Weilburg.

van Beek, Gus W.; van Beek, Ora (2008): Glorious mud!
Ancient and contemporary earthen design and construction in North Africa, Western Europe, the Near East, and Southwest Asia.
Washington, D.C., Lanham, Md.: Smithsonian Institution Scholarly Press; Published in cooperation with Rowman & Littlefield Publishers.


Das Gebäude ist weit gehend noch im Originalzustand erhalten. Lediglich die obere Hälfte der Südseite (Wetterseite) mit Giebel wurde verschiefert, sonst ist Gebäude verputzt. Der Sockel und Keller sind in Bruchstein ausgeführt. Trotz der Gebäudehöhe, die auf der Rückseite fast 20 m einschließlich des Kniestocks beträgt, ist die Stärke der tragenden Wände nur geringfügig dicker, als bei mehrstöckigen und gemauerten Wänden gefordert wurde.

Weilburg, Piseebau, Niedergasse 22, früher Hainallee 1

Piseebau; Niedergasse 22, früher Hainallee 1, Hausfront an der Hainallee