Sehenswert in Weilburg

Schlossanlagen

Schlossgarten und Gebück
Obere Schlossgartenterrasse

Weilburg, Schlossgarten, Lindensaal

Lindensaal im oberen Schlossgarten

Die obere Schlossgartenterrasse ging aus einem Renaissancegarten der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hervor, der südlich des Schlosses auf einem künstlichen Plateau angelegt worden war. Zuvor war der hier befindliche Friedhof bei der Martinskirche, der Vorläuferin der heutigen Schlosskirche, in den Bereich von Heilig-Grab-Kapelle und Kalvarienberg verlegt worden. An dem zur Lahn abfallenden Felsen war dieser Garten bereits durch eine Futtermauer abgesichert, unterhalb derer vermutlich Wein angebaut wurde. Dieser Garten wurde ab 1665 unter Graf Friedrich umgestaltet und u. a. mit Wasserkünsten, Statuen, exotischen Zierbäumen und einem Lusthaus aus Fachwerk ausgestattet.

Weilburg; obere Orangerie mit Brunnen

Obere Orangerie mit Brunnen

Unter Graf Johann Ernst erfolgte eine großzügige Erweiterung des Gartens nach Süden und eine Neuplanung der Gartenanlage. Dazu wurde aus Saarbrücken der Hofgärtner Francois Lemaire nach Weilburg berufen.

1702 kam der Baumeister Julius Ludwig Rothweil nach Weilburg, nach dessen Plänen die obere Orangerie, (1703-1705) als festlicher Gartensaal und Verbindung zu den auf die Orangerie ausgerichteten barocken Gartenräumen erbaut wurde. Eine Querachse entlang der Schlosskirche leitet zum Lindensaal und nach dessen Durchschreiten gelangt man auf die Dachterrasse der unteren Orangerie, von der aus die untere Gartenterrasse aus der "Kavaliersperspektive" erlebbar ist.

Weilburg; Schlossgarten, Südflügel des Hochschlosses

Schlossgarten, Südflügel des Hochschlosses

Grotten und Wasserspiele belebten diesen Lustgarten. Zum Betreiben der Wasserspiele wurde um 1700 nach den Plänen von Pater Guardian, dem Leiters des Wetzlarer Franziskanerklosters, Wasser über eine Rohrbrücke (heutige Kettenbrücke) in 10 cm dicken Eisengussrohren von der anderen Lahnseite heran geführt und in einem Kupferbehälter auf dem Kirchturm gespeichert. Auf diese Weise konnte ein für Springbrunnen und andere Wasserspiele ausreichend hoher Wasserdruck erzeugt werden.

Weilburg; Schlossgarten, Balustrade, Pralinee-Eck am Hochschloss

Balustrade mit gusseisernen Vasen am
"Pralinee-Eck" des Hochschlosses

Zusätzlich fanden sich im Park zahlreiche Skulpturen, die u. a. Figuren der antiken Götterwelt (Mars, Apollo, Jupiter, Zeus, Venus) darstellten. Diese sind heute nicht mehr vorhanden. Nur noch zwei Originalfiguren gibt es aus dieser Zeit und sie sind heute auf der unteren Terrasse bzw. in der unteren Orangerie zu sehen. Noch erhalten geblieben ist auch die Balustrade auf der Mauerkrone zum Gebück und 43 gusseisernen Vasen auf Marmorpostamenten. Diese Vasen konnten mit Öl gefüllt werden und dienten dann zur Beleuchtung des Schlossgartens.

Den Bereich vor der oberen Orangerie, in dem sich früher eine Porträtbüste des Grafen Johann Ernst befand (das Original steht heute in der oberen Orangerie, ein Abguss seit 1999 auf dem Marktplatz, s. Graf_Johann-Ernst-Denkmal), prägen heute ein Brunnen und vier Gartenfiguren. 1967 wurden Brunnen und Figuren von Rüdesheim nach Weilburg verbracht und hier aufgestellt. Entstanden sind sie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dargestellt wird durch die Figurengruppe eine barocke Allegorie vom Sieg des Guten über das Böse, hier durch den Kampf des Herkules mit dem Riesen Antaios. Die vier Gartenfiguren stellen antike Gottheiten dar: Poseidon (Fisch), Gaia (Löwe), Zeus (Adler) und Hera (Pfau).

Weilburg, Schlossgarten, Blutbuche über der Mauer zum Gebück

Blutbuche über der Mauer zum Gebück

Von der Nordostecke der Gartenterrasse ist die Steinfigur des "Weilburger Hündchens" am "Pralinée-Eck" des Hochschlosses zu sehen und ein Treppenweg führt ab hier durch das Gebück hinunter zur Lahn, vorbei an der Schlossmühle (Brückenmühle) zur Steinernen Brücke oder zu einem Mauerdurchlass am König-Konrad-Platz (Landtor).

Den Nordteil des oberen Schlossgartens prägen heute besonders die mächtigen Blutbuchen und die Hainbuche. Sie stammen aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, als unter Fürst Friedrich Wilhelm und Herzog Wilhelm eine teilweise Umgestaltung des Gartens erfolgte, in deren Verlauf geschwungene Wege angelegt und zahlreiche Gehölze gepflanzt wurden. Unverändert blieb das im Südteil noch bestehende und bereits 1758 angelegte Lindenboskett, dessen Bäume in einem Muster angeordnet sind, wie es z. B. auch für die Anordnung der fünf Augen auf einem Würfel zutrifft (Quincunx). Eine Rebarockisierung des Schlossgartens erfolgte in den Jahren 1936-1939 nach Plänen von Georg Potente.