Sehenswert in Weilburg

Schlossanlagen

Stadt- und Schlosskirche, Glockenchronik

Was das Geläut der früheren St. Andreas- und Martinkirche betrifft, so ist nur wenig dazu bekannt. Es muss wohl aus vier Glocken bestanden haben, da in einem Schriftstück vom 09. November 1509 von zwei Glocken berichtet wird, die zuvor von Johann Schmitt aus Nassau gegossen wurden und von zwei neuen Glocken, deren Glockengießer in dieser Urkunde jedoch nicht genannt wird.

Drei der vier Glocken wurden beim Neubau der Stadt- und Schlosskirche eingeschmolzen und über deren Inschriften und Abmessungen ist nichts bekannt. Erhalten blieb die Walpurga, die sehr wahrscheinlich mit einer der beiden Glocken identisch ist, die 1509 von dem in der Urkunde nicht genannten Glockengießer geschaffen wurden. In diesem Fall stünden der Name des Glockengießers und der Herkunftsort dieser beiden Glocken fest (Heinrich von Prüm), da die Walpurga folgende Inschrift trägt:

Sanct Walpurga häse ich.
Zu Gottes ere lüte ich.
All bet Wetter vertreibe ich.
Heinrich von prum goß mich. MDIX.

Zusätzlich zur Inschrift ist auf der Walpurga ein Kranz von Reliefbildern angebracht, die u. a. eine Bischofsfigur mit dem Hirtenstab und eine Kreuzigungsgruppe zeigen.

Bis zum Jahr 1937 war die Walpurga die größte der Glocken. Sie hat eine Durchmesser von 1,37 m und wiegt etwa 1.500 kg.

Im Juli 1669 verriet der Ton der Elfuhrglocke, dass diese gesprungen war und es wurde beschlossen, eine neue Glocke gießen zu lassen. Den Auftrag erhielt Johann Wilhelm Will aus Gießen, der am 18. August 1669 die Glocke abnahm und auf den Marktplatz stürzte. Das Material wurde für den Neuguss nach Gießen geschafft, wo jedoch zwei Gussversuche fehlschlugen und erst ein dritter am 19. November gelang. Die neue Glocke war etwas schwerer als die vorige, deren Gewicht ca. 18 Zentner betragen hatte. Am 02. Dezember 1669 wurde die neue Glocke erstmals geläutet.

Im Jahr 1708 wurden drei weitere Glocken gegossen, die alle der Glockengießerei von Tillman Schmid aus Asslar entstammten.

Die noch heute vorhandene Mittagsglocke hat einen Durchmesser von 1,22 m und wiegt 1.200 kg. Sie trägt die Inschrift:

ALS DER HOCHGEBORNE GRAF UND HERR, HERR JOHANN
ERNST GRAF ZU NASSAU-SAARBRÜCKEN, WEILBURG UND
SAARWERDER, HERR ZU LAHR, WIESBADEN UND IDSTEIN
DIESES GOTTESHAUS NECHST SEINEM HAUS VON GRUND
AUF NEU ER(B)AUT, HAT ER IN DESSEN MITTE ALS
MITTEL DER VERSAMMLUNG DIESE GLOCKE SAMBT 2
ANDEREN GIESEN UND AUF DEM VON IHM ZU HALFF
ERHOHETEN THURME AUFHENGEN LASSEN. ANNO 1708
IN GOTTES NAMEN FLOS ICH
TILLMANN SCHMID VON ASSLAR GOS MICH.

Das Reliefbild dieser Glocke zeigt das von einer Krone überragte Allianzwappen des Grafenpaares.

Die Totenglocke hatte einen Durchmesser von 1,12 m und wog 820 kg. Sie trug die Inschrift:

Hoert Hoert Ihr Menschen Hoert Damit Ihr Ohn Ver
Weilen Das Wort Des Lebens Hier Zu Hoeren Moget
Eilen Und Betten Auch Zu Gott In Heisser Andacht
Flammen Ruf Ich Mit Meiner Stimme Euch Oft Und
Viel Zu Sammen
Soli Deo Gloria
Dil Man Schmid V Aslar Gos Mich Anno MDCCVIII

Als Reliefbilder trug die Totenglocke das Wappen von Nassau-Weilburg, ein Kruzifix und einen Harfenspieler und die Bildnisse der Apostel Matthäus und Andreas.

 Die Gebetsglocke hatte einen Durchmesser von 1,00 m und wog 622 kg. Sie trug die Inschrift:

Ich Werde Leicht Zum Dinst Gerecht Wozu Mein
Meister Mich Gegossen Ihr Menschen Wenn Euch Nicht
Bewegt Was Ihr Vom Schöpfer Guts Genossen Euch
Ihm Zu Dinst Zu Stellen Ein Must Dummer Als Wir
Klocken Sein.
In Gottes Namen Flos Ich
Dilmann Schmid Von Aslar Gos Mich 1708.

Als Reliefbilder trug die Gebetsglocke das Wappen von Nassau-Weilburg, ein Kruzifix und einen Harfenspieler und die Bildnisse der Apostel Jakobus und Andreas.

Das Geläute der vier Kirchenglocken im Turm der neuen Schloss- und Stadtkirche erklang in dis, e, a und g.

Im Jahr 1917 wurden die Gebetsglocke und die Totenglocke beschlagnahmt und und im September 1918 abtransportiert und dann vermutlich eingeschmolzen.

Am 28. Juni 1919 zersprang die Walpurga, konnte aber mit einer Schweißung durch eine Firma in Berlin repariert werden. 1923 wurde die Walpurga wieder an ihrem alten Platz aufgehängt.

1924 wurde als ein Ersatz für die 1917 beschlagnahmten Glocken eine kleine Glocke mit der Tonlage g montiert. Dabei handelte es sich aber wahrscheinlich um eine ehemalige Schiffsglocke, trug sie doch die Inschrift: Kaiserliche Marine.

Da anderer Ersatz vom Staat nicht geleistet wurde, entschloss man sich zu einem Spendenaufruf, dessen Ergebnis es möglich machte, bei der Glockengießerei Rincker in Sinn zwei Glocken in Auftrag zu geben. Am 23. Mai 1937 konnten die beiden neuen Glocken geweiht werden.

Die große Glocke hatte einen Durchmesser von 1,605 m, wog 2.243 kg und war in der Tonlage c gestimmt. Sie trug die Inschrift:

Jesus Christus gestern und heute
und derselbe auch in Ewigkeit

Die kleinere Glocke hatte einen Durchmesser von 1,065 m, wog 782 kg und war in der Tonlage g gestimmt. Sie trug die Inschrift:

Wer aus der Wahrheit ist
der höret meine Stimme

Nun befanden sich wieder vier Glocken im Turm, sie konnten aber wegen der Stimmungen der einzelnen Glocken (c, dis, e, g) nur als Dreiergeläut schlagen.

Bereits im Januar 1942 aber mussten die 1937 gegossenen beiden Glocken und dazu auch die Mittagsglocke nach einer Beschlagnahme abgegeben werden. Im Turm verblieb nur die Walpurga. Als einzige der beschlagnahmten Glocken wurde nach Kriegsende die Mittagsglocke in einem Hamburger Glockenlager aufgefunden und konnte Anfang des Jahres 1948 wieder an ihrem alten Platz aufgehängt werden.

Vielleicht waren es Transport- oder Lagerungsschäden die dazu beitrugen, dass die Mittagsglocke am 26 Oktober 1955 zersprang. Doch auch die Mittagsglocke konnte mit Schweißarbeiten wieder repariert werden und erhielt im April 1957 wieder ihren Platz im Turm der Stadt- und Schlosskirche.

Weiterhin aber fehlte ein Paar der früher vorhandenen vier Glocken. Durch Gemeindespenden und Ersatzleistungen staatlicher Stellen konnten dann aber genug Mittel bereitgestellt werden, um die Glockengießerei Rincker in Sinn mit Gussaufträgen für drei neue Glocken zu betrauen. Die neuen Glocken wurden am 8. März 1958 in der Stadt- und Schlosskirche geweiht.

Die größte dieser Glocken hat einen Durchmesser von 1,48 m und wiegt 1.980 kg. Sie trägt die Inschrift:

GLORIA sei DIR gesungen
mit Menschen und mit Engelszungen.

Die nächst kleinere Glocke hat einen Durchmesser von 1,10 m und wiegt 830 kg. Sie trägt die Inschrift:

Verleih uns Friede gnädiglich
HERR GOTT zu unseren Zeiten

Die dritte Glocke, die Gedächtnisglocke, ist den Vermissten und Toten der Gemeinde im 2. Weltkrieg gewidmet. Diese Glocke hat einen Durchmesser von 1,03 m und wiegt 680 kg. Sie trägt die Inschrift:

Selig sind die Toten,
die in dem Herrn sterben.
Unseren Toten und Vermißten 1939-1945.

Wegen der im Turm nun insgesamt fünf vorhandenen Glocken war ein neuer Glockenstuhl eingebaut worden. Doch der Turm war trotz dieses eisernen Glockenstuhls den Belastungen des neuen Geläuts nicht mehr gewachsen und es mussten weitere Sicherungsmaßnahmen vorgenommen werden.

Die Stimmungen der Glocken umfassen heute die Tonlagen cis, dis, e, fis und gis. Möglich sind damit ein Fünfer-, zwei Vierer-, vier Dreiergeläute und mehrere Kombinationen aus zwei Glockenklängen.


Quellenangaben:
Chronik der Schloßkirche zu Weilburg
Carl Wehrum
Evangelische Kirchengemeinde Weilburg an der Lahn
ohne Jahresangabe