Sehenswert in Weilburg
Wasserversorgung
Wasserreservoirs
Weilburg, Wasserreservoire; das südliche Speicherbecken.
Weilburg, Wasserreservoire; das freigelegte, aber nicht restaurierte, nördliche Speicherbecken.
Während vieler Jahrzehnte waren auf der Westerwaldseite Weilburgs im Wehrhölzer Wald die Zeugnisse einer beeindruckenden Anlage von Büschen und Bäumen überwachsen worden und verborgen. Und als würde dies nicht ausreichen, wurde das Gelände zu Beginn der 1960er Jahre noch mit Fichten bepflanzt. Erst als zwanzig Jahre später der damalige Vorsitzende der Bürgerinitiative "Alt-Weilburg" e. V., Wilhelm Schick, Archivstudien zur Wasserversorgung Weilburgs anstellte, wurde deutlich, mit welch hohem Aufwand die Wasserversorgung Weilburgs seit Beginn des 18. Jahrhunderts betrieben worden war.
Nach umfangreichen weiteren Recherchen beantragte die Bürgerinitiative 1992 beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden die Freilegung der Reservoire. In Gang kamen die Arbeiten aber erst, nachdem im Winter 1998/99 bei Bauarbeiten auf dem Kanapee zufällig Rohre und ein Verbindungsbauwerk der Wasserversorgung entdeckt wurden. Daraufhin wurden 1999 durch das Forstamt Weilburg die Fichten auf dem Gelände gerodet und der gröbste Bewuchs entfernt. Der vorgefundene Zustand wurde dokumentiert und unter Leitung des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege begannen im Jahr 2000 Vermessungen, denen später Baumaßnahmen und Restaurationsarbeiten folgten. 2005 war der Großteil der Arbeiten abgeschlossen und zum Hessentag konnten einzelne Führungen bei den Wasserreservoiren veranstaltet werden. Als letzte größere Maßnahme wurde 2007/2008 ein Teildach über dem südlichen Wasserreservoir errichtet, sodass am 14. September 2008 die restaurierte Anlage an die Öffentlichkeit übergeben werden konnte.
Weilburg, Wasserreservoire; vereinfachte schematische Darstellung der "Herrschaftlichen Wasserversorgung" nach einer Grafik von Döring, M.; s. Quelle.
Die erste nachgewiesene Wasserversorgung, mit der Quellwasser in Leitungen in die Stadt und den Grafensitz transportiert worden war, hatte Graf Philipp III. (1529-1555) veranlasst. Schon diese erste Wasserleitung führte von der Westerwaldseite, aus dem Quellgebiet der Luderwiese, Wasser in die Stadt und zum Schloss.
Mit der unter Graf Johann Ernst (1675-1719) erfolgten Neugestaltung der Stadt und des Schlosses reichte diese Wasserzuführung nicht mehr aus. Vor allem die neuen Gartenanlagen mit den darin vorgesehenen Wasserspielen erforderten ein neues Konzept zur Wasserversorgung. Mit der Beratung eines Abtes aus dem Wetzlarer Franziskanerkloster wurde unter der Leitung des Baumeisters Rothweil und des Koblenzer Brunnenmeisters Judas ein neues Wasserversorgungssystem geschaffen.
Ein Teilbereich dieser Gesamtanlage waren Wasserreservoirs auf den höher gelegenen Lahnbergen der Westerwaldseite, gegenüber der Stadt. Von den als Reservoirs dienenden drei Wasserbecken wurde das kleinste Becken (Ost) wahrscheinlich 1710 gebaut. Zwei weitere Becken (Nord und Süd) bestanden ab 1713/14. Sie wurden später zur heute bestehenden Größe erweitert, das nördliche 1759. Die Reservoire Nord und Süd sind jeweils 28 m lang und 10,70 m breit. Die Wassertiefe betrug im nördlichen Reservoir etwa 4,70 m, im südlichen etwa 4,15 m. Das Reservoir Ost ist 11,30 m lang und 11,00 m breit, die Wassertiefe dort betrug ca. 3,10 m. Die Reservoirs waren mit Walmdächern überdacht, die anfangs wohl mit Stroh gedeckt waren, später jedoch eine Schieferabdeckung erhielten.
Weilburg, Wasserreservoire; östlicher Rohrstollen mit Kranenkammer
Die Wände der Reservoirs wurden mit waagrecht geschichteten Basaltsäulen in Kalkmörtel erstellt. Die Wände waren verputzt und die Böden mit Bruchsteinen belegt. Zwischen den beiden großen Reservoirs und dem Reservoir Ost wurde wegen des von West nach Ost abfallenden Geländes eine 58 m lange und 2,70 m hohe Stützmauer errichtet. Eiserne Rohre am Boden der drei Reservoirs leiteten das Wasser durch Rohrstollen in die 10 m tiefer gelegene und in den Hang hinein gebaute Kranenkammer. Dort erfolgte die Wasserverteilung auf die weiterführenden Leitungen.
Der Bau der Reservoire diente nur der gesicherten Wasserversorgung für die Springbrunnen des Schlossgartens und des Haingartens mit Brauchwasser. Dafür wurde das Wasser mit der "Allendorfer- (Wolferswiesen-) Leitung" aus über 4 km Entfernung zu den Becken im Wald oberhalb des Kanapees geführt. Zusammen mit der "Kaltenborner- und der Wehrhölzer Leitung", mit denen Trinkwasser aus zwei anderen Quellgebieten zum Schloss gebracht wurde, gehörte sie zur "Herrschaftlichen Wasserleitung".
Für die Bürgerschaft der Stadt Weilburg erfolgte die Wasserversorgung über die "Bürgerlichen Wasserleitung", die das Wasser aus dem Quellgebiet Luderwiese heranführte. Am Kanapee trafen die verschiedenen Leitungsstränge zusammen. Von dort wurden sie über den Abbruch des Wölbenberges hinunter zur Lahn geführt und gemeinsam über eine Brücke zu den Verbrauchsstellen im Schloss, Schlossgarten, Haingarten und der Stadt. Teilmengen aus der "Herrschaftlichen Wasserleitung" wurden um 1753 für die städtische Wasserversorgung zur Verfügung gestellt. Ab 1803 gingen die beiden Systeme ineinander über.
Weilburg, Wasserreservoire. Links der Eingang des östlichen Rohrstollens, rechts das östliche Speicherbecken.
Am besten erreichbar sind die Wasserreservoire vom Parkplatz des Kreiskrankenhauses aus, das sich unmittelbar am Ortsausgang Weilburg in Richtung Odersbach an der Spielmannstraße befindet. Ein breiter Waldweg führt zwischen Parkplatz und Krankenhaus leicht aufwärts und trifft nach etwa zehn Gehminuten auf einen Querweg, auf den nach rechts eingebogen wird. Nur fünf Minuten später wird die mitten im Wald gelegene Anlage der Wasserreservoire erreicht.
