Presseberichte zu Weilburg
Vermischtes
Weilburger Tageblatt vom 12.11.2000
Respekt vor der 300 Jahre alten Wasserversorgung
25 Kilometer Leitung in drei Strängen nach Weilburg
Weilburg (dn). Die Geschichte der früheren Weilburger Wasserversorgung mit Quellen vom "Steinbühl" und an der Kettenbrücke über der Lahn aufgehängten Rohre Ist eigentlich schon bemerkenswert genug. Wie aber das Quellwasser aus der Richtung der Allendorfer Gemarkung zu den Verbrauchern gelangte, hat sich mittlerweile zur "Einmaligkeit in Deutschland" entwickelt, wissenschaftlich begleitet und bestätigt.
Nur mit Leitern kann man die Kammern am Wasserbehälter begehen (Fotos: Dieter Nobbe, www.dinpress.de
Das stellte Bürgermeister Hans-Peter Schick am Freitag bei einer Ortsbesichtigung an verschiedenen Stellen im Wald fest. Zusammen mit Forstamtsdirektor Prof. Dr. Gisbert Backhaus, dem Leiter des Stadtbauamts, Gerd Uwe Keller, sowie Walter Kramer vom Städtischen Bauhof führte er Landrat Dr. Manfred Fluck die neuesten Ergebnisse der Forschungen zur historischen Wasserbeschaffung vor.
Besonders Keller und Kramer, die sich intensiv mit dem Thema der 100 bis 300 Jahren alten Geschichte beschäftigen, wussten viel Interessantes zu erzählen.
Der Ausbau und die Sicherung der großen Wasserbehälter, über die wir schon mehrfach berichteten, ist weitergegangen. Sie fassten bis zu 4000 Kubikmeter Wasser, schätzte Keller, sie trugen früher ein Schieferdach, das auf den weit aus der Tiefe bis zu 180 Zentimeter über den Boden ragenden Mauern saß.
Alle 25 Meter sind Kontrollschächte zu finden
Eine weitere Kammer unterhalb der Becken, für die es noch keine schlüssige Erklärung gibt, wurde freigelegt, gesäubert und gesichert. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als die Weilburger Wasserversorgung zu Brunnen in Bergwerksstollen umgestellt wurde, führten drei jeweils doppelt angelegte Wasserleitungen aus Tonröhren in Richtung Stadt: Die eine speiste die beschriebenen Wasserreservoire, von denen aus die Altstadt versorgt wurde, eine Leitung führte von der Quelle direkt ins Schloss und eine weitere reichte zu dem ehemaligen Gut Wehrholz.
Von dem ehemaligen herrschaftlichen Wirtschaftshof an der Grenze zwischen Weilburg und Odersbach sind heute nur noch alte Stützmauern auf dem Weg von der Lindenallee oberhalb der Hauseley hinab zur Lahn zu sehen.
Auf 25 Kilometer schätzte Keller die Gesamtlänge der Tonleitungen, die von den Quellen im (notwendigen) ständigen leichten Gefälle zu den Brunnen und Entnahmestellen führten.
Große Hochachtung zollten er und Kramer den damaligen Erbauern und Unterhaltern, die das alles ohne heute übliche Geräte zur Vermessung oder Baumaschinen bewältigten.
Hans-Peter Schick, Dr. Manfred Fluck, Walter Kramer und Prof. Gisbert Backhaus (von links) besichtigen eine Quelle
An einigen Stellen waren die Leitungen zur Besichtigung vorübergehend freigelegt, auch einer der alle 25 Meter angebrachten "Kontrollschächte" war zu sehen.
Unebenheiten im Gelände haben die früheren Fachleute durch verschieden tiefe Grabungen oder auch mit dem Bau kleiner Brücken und "Stege" genannten Aufschüttungen überwunden.
Jährlich etwa 700 000 Kubikmeter Trinkwasser, so vermutet Keller, wurden damals gefördert und transportiert.
Heute fließen die Quellen immer noch, werden aber für die Wassergewinnung nicht mehr genutzt. Die Spuren historischer Weilburger Wasserversorgung, von denen man noch weitere zu finden glaubt, sollen jedoch der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.
Bis zum Jahr 2002 können wir sie ausbauen und vielleicht 2003 dem Tourismus öffnen," schätzte Bürgermeister Schick, "auf jeden Fall aber bis zum Hessentag im Jahr 2005."
