Presseberichte zu Weilburg
Vermischtes
Weilburger Tageblatt, Beilage "Heimat an Lahn und Dill", Mitte März 2001
Von Manfred Horz
Sie sind fast 300 Jahre alt
Die Weilburger Wasserreservoirs sind ein bautechnisches Denkmal von hohem Wert
Historiker und Wissenschaftler sind derzeit dabei, die historische Wasserversorgung der barocken Residenz als technisches Denkmal von hohem Rang zu sichern. Die fast 300 Jahre alten Weilburger Wasserreservoirs sind einmalig in Deutschland und sind jetzt, nachdem sie unter wissenschaftlicher Begleitung von überwuchernden Pflanzen freigelegt wurden, sogar von europäischem Interesse.
Sie waren damals, als die Menschen das kostbare Nass noch aus den Ziehbrunnen holten, Teil einer Wasserversorgungsanlage nach geradezu modernem Zuschnitt, die auch heute noch so geplant werden könnte.
Das Quellwasser der Westerwaldhöhen wurde über Gefälleleitungen einem Hochbehälter zugeführt, der das Leistungssystem der barocken Residenz mit dem nötigen Druck versorgte.
Um die technische Eleganz dieser Lösung ihrer Zeit würdigen zu können, ist ein Blick zurück in die frühere Entwicklung der Wasserversorgungs- und Rohrleitungstechnik unerlässlich.
Diplomingenieur Roland Schmidt, einer der Mitarbeiter vom Fachbereich Architektur der Fachhochschule Wiesbaden, hat über seine Mitwirkung bei diesem bedeutenden wissenschaftlichen Projekt eine interessante Diplomarbeit geschrieben.
Bei der Vorstellung der Arbeit vor einem Expertengremium wurde unter anderem vereinbart, dass die noch ausstehenden Einmessarbeiten erledigt werden.
Bis Professor Dr. Mathias Döring von der Fachhochschule Darmstadt die ihm obliegenden Arbeiten abgeschlossen hat, werden auf Anweisung des Landesdenkmalpflegers von Sichart an den Wasserbehältern keine Aufbauarbeiten vorgenommen.
Krahnenturm" wieder zugänglich
Die Zeit raubenden Vorgänge erfordern Geduld bei der Stadt Weilburg wie auch bei der Bürgerinitiative "Alt Weilburg" und beim Geschichtsverein, die den Anstoß für die derzeitigen Aktivitäten gegeben haben und am zügigen Fortgang des Projektes interessiert sind, zumal inzwischen auch der "Krahnenturm" restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurde.
Eines der historischen Weilburger Wasserreservoirs, die wissenschaftlich untersucht und für die Nachwelt gesichert werden. (Fotos: Horz)
Die "Weilburger Wasserreservoirs" haben längst das Interesse der Medien, der Historiker und Denkmalpfleger angeregt und werden demnächst auch Thema des "Denkmalschutztages" sein.
Das Umschlagbild der Diplomarbeit zeigt einen Ausschnitt aus der Delineatio der Herrschaftlichen und bürgerlichen Brunnenleitung zu Weilburg, einer Planzeichnung von Justus Heinrich Gunkel, dem Bruder des Weilburger Baumeisters Friedrich Ludwig Gunkel, aus dem Jahre 1776, die im Hessischen Staatsarchiv unter der Archivalien-Nummer 3011/2036 zu finden ist.
Im Vorwort verweist der Autor darauf, das ihm die Idee für eine Diplomarbeit mit baugeschichtlichem Hintergrund bei der Vorarbeit auf eine Exkursion in die Westtürkei gekommen sei, bei der er Gelegenheit hatte, sich mit der Wasserversorgung des antiken Pergamon zu beschäftigen.
Professor Dr. K. Noblen habe ihn in diesem Wunsch unterstützt und auf die in Weilburg wieder entdeckten barocken Wasserreservoirs aufmerksam gemacht.
In der Beschäftigung mit den Weilburger Reservoirs ergaben sich für die Wissenschaftler drei Schwerpunkte: Die Zusammenführung des Kenntnisstandes zur Baugeschichte der Reservoirs und die Einbindung in einem historischen Kontext; die Bauaufnahme und Zustandsbeschreibung der Ruinen und deren Deutung und der daraus entwickelte Vorschlag zur Erhaltung und Präsentation der Anlage im heutigen Umfeld.
Rolands Blick in die Geschichte der Wasserversorgung mit Bezugnahme auf verschiedene Quellen der Fachliteratur zeigt, dass die Baumeister der Weilburger Fürsten in der Wasserversorgung das Rad nicht zu erfinden brauchten, denn eine erste hoch entwickelte Wasser-Ver und -Entsorgung ist für die Urukzeit (3500 vor Christi) aus der sumerischen Stadt Kabira belegt, die mit einer Leitung aus gebrannten Tonrohren mit Wasser aus dem Euphrat versorgt wurde.
Auch der Palast von Knossos wurde im 2. Jahrtausend vor Christi schon mit einer erstaunlichen Kanalisation und Trinkwasserzuführung versorgt. Erstmals wurden hier Tonrohre verwendet, die nicht nur gedichtet, sondern auch gegen Auseinanderziehen gesichert werden konnten.
Aus dem 6. Jahrhundert nach Christi lässt sich in Griechenland die technische Entwicklung von Tonrohren und ihrer Verbindungen gut nachvollziehen.
Wassergräben aus Lehm in Pergamon
War in archaischer Zeit vor allem mit Olivenöl angemachtem Ätzkalk zur Herstellung von Rohren verwendet worden, so lagen die hellenischen Leitungen Pergamons in einem speziellen Graben aus künstlich aufbereitetem Lehm.
Zusätzlich waren die Muffen mit einem Gemisch quellfähiger Tonmineralien gedichtet, denen stellenweise auch Mineral- und Pflanzenöle zur Hydrophobierung beigegeben waren.
Schmidt erwähnt vor allem das in Wasserbau technischer Hinsicht herausragende Beispiel dieser Epoche, die pergamenische Druckrohrleitung aus dem 2. Jahrhundert vor Christie, die in ihrem Prinzip nach der historischen Weilburger Wasserleitung sehr ähnlich ist.
Die in 42 km Entfernung gefaßten Quellen brachten Wasser in einer Freispiegelleitung bis zu einer Sammelkammer gegenüber dem pergamenischen Burgberg und von da aus per Düker durch das Tal mit einer Leitung aus Bleirohren, die im tiefsten Punkt einem Druck von 10 bar standhalten musste.
Die Römer entwickelten dann die Wasserversorgung weiter mit Leitungen aus Ton, Blei, Eisen und Holz in einer Ingenieurbaukunst mit aufwendigen Tunnelbauwerken, Stauseen und beeindruckenden Aquädukten für ihre Überland-Wasserleitungen.
Nach Versailler Vorbild gebaut
In der Suche nach den Vorbildern, denen Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg wohl für seine Reservoirs etwas nachempfunden haben könnte, nennt Roland Schmidt unter anderem die Wasserversorgung der Gärten Ludwigs XIV. in Versailles sowie die Gärten in Hannover-Herrenhausen, wenn diese auch von ihrer Größe und den topographischen Verhältnissen her, nicht mit Weilburg zu vergleichen sind.
Parallelen finden sich auch bei der Versorgungsanlage der Eremitage von Bayreuth, die aber später als die Weilburger Reservoirs entstanden sind und damit kein Vorbild für Graf Johann Ernst gewesen sein können.
Da er auch die Probleme der Welfen in Hannover kaum gekannt haben dürfte, wird angenommen, dass Graf Johann Ernst mit seinen Mitteln eine Wasserversorgung nach Versailler Vorbild realisierte, die seinen Schlossgarten mit den repräsentativen Wasserspielen ausstatteten, die einen Barockgarten auszeichneten.
Wasser in den Glockenturm gepumpt
Bis in die späte Neuzeit hinein hat sich Weilburg vor allem mit Ziehbrunnen versorgt. Ein organisiertes System von Brunnen Nachbarschaften, wie es aus einigen Städten bekannt ist, kann für Weilburg nicht belegt werden.
Der Residenzcharakter der Stadt spricht wohl eher für eine zentrale Organisation der Wasserverteilung.
Mitte des 16. Jahrhunderts ließ Fürst Philipp III. an der Brückenmühle an der Lahn ein Druckwerk errichten, das Grund- oder Lahnwasser aus einem Becken in einen Behälter im Glockenturm der Schlosskirche hob.
Das Wasser wurde mit einer von einem Wasserrad angetriebenen Doppelkolbenpumpe durch Bleirohre den Berg hinauf in einen Kessel aus Kupferplatten gepumpt, aus denen in erster Linie die Springbrunnen des Schlosses gespeist wurden.
Erst das Ablaufwasser dürfte auf die Laufbrunnen in der Stadt verteilt worden sein. Die damals teils über die steinerne Brücke oder durch die Lahn verlegten verschiedenen Leitungssysteme waren jedoch sehr reparaturanfällig, vor allem bei Hochwasser.
Graf Johann Ernst entschloss sich daher Anfang des 18. Jahrhunderts nicht nur zur Reparatur des Pumpwerks, sondern auch zu einem Ausbau des Wasserversorgungssystems für Schloss und Stadt.
1770 Leitung über die Lahn geplant
Der Krahnenturm ist ein sichtbares Dokument der historischen Weilburger Wasserversorgungsanlage. Er wurde nach seiner teilweisen Zerstörung durch eine vom Sturm gefällte Buche in Gemeinschaftsarbeit des Geschichtsvereins, der Stadt Weilburg und der Forstverwaltung wieder aufgebaut.
Nach einer weiteren Zerstörung der über die Lahn führenden Leitungsbrücke wurde gegen 1770 eine Planung zur Verlegung einer neuen Leitungsstraße begonnen.
Aus der Handschrift von Justus Heinrich Gunkel, dem Bruder des Weilburger Baumeisters Friedrich Ludwig Gunkel, stammt der "Plan über die Herrschaftliche Brunnenleitung zu Weilburg vom Jahre 1770". Er zeigt den Verlauf einer neuen Leitung über die Steinerne Brücke, die aber aus Kostengründen nicht verwirklicht wurde.
Die "Delineatio" beschreibt im wesentlichen den Verlauf der Leitungsstraßen von ihren Quellen bis zu den Laufbrunnen der Stadt. Diese Leitungen sind im Wald in der Nähe der Hessenklinik teilweise heute noch gut zu verfolgen.
Restaurierung ohne großen Aufwand
Die Weilburger Wasserreservoirs können nach Auffassung von Experten mit verhältnismäßig geringem Aufwand erhalten werden.
Die Ruinen müssen nicht umfangreich rekonstruiert werden, um Aussagekraft zu gewissen, die den Erholungs- und Erlebniswert eines Waldspaziergangs erheblich steigern können.
