Presseberichte zu Weilburg
Vermischtes
Weilburger Tageblatt vom 17.08.2001
Von unserem Mitarbeiter Jan Kunz
Der Stadtmauerturm könnte einen schönen Blick über Weilburg bieten
Schöne Aussicht - leider verschlossen
Weilburg. Über eine steinerne Außentreppe geht es 33 Stufen bis zu einer Tür hinauf. Ein großer Schlüssel dreht sich im Schloss und quietschend gibt die alte Pforte den Weg frei. Nochmals 39 Stufen über steile Treppen aus dicken Eichenbalken bevor das Ziel erreicht ist: Die Aussichtsplattform des Weilburger Stadtmauerturms.
Der harte Aufstieg wird belohnt: Mit einem schönen Blick auf die untere Orangerie des Schlossgartens. (Foto: Jan Kunz)
Der Rundbau aus dem 14. Jahrhundert zählt zu den markantesten Punkten in Weilburg und bietet einen herrlichen Blick auf den Schlossgarten, die Frankfurter Straße und das Lahntal. Auch die "Skyline" der Altstadt ist von hier oben bestens zu sehen.
Leider kommen jedoch nur sehr wenige Besucher in den Genuss dieser schönen Aussicht, denn der Turm ist für den Publikumsverkehr gesperrt.
Zurzeit dient das ehrwürdige Gemäuer lediglich den Gärtnern der Weilburger Schlossanlage als Materiallager. Dicke Spinnweben und Staub erschweren den Aufstieg. "Ich war selbst schon lange nicht mehr oben", erzählt Gartenbaumeisterin Katharina Brunsing.
Nach ihren Angaben gibt es derzeit keine Überlegungen, den Turm für die Öffentlichkeit begehbar zu machen. Auch an eine Öffnung als neue Weilburger Attraktion für den Hessentag 2005 werde nicht gedacht.
"Wir haben zurzeit ganz andere Sorgen", berichtet Brunsing. In diesem Jahr steht der Gartenmeisterin für ihre Arbeit im Schlossgarten nur halb so viel Geld zur Verfügung wie im Vorjahr. "Damit muss ich leben", so ihr knapper Kommentar.
Dringendere Projekte
Möglichkeiten, Geld auszugeben, gibt es hingegen genug: Das Dach der Werkstatt ist undicht, das Gewächshaus platzt aus allen Nähten und die Toilettenanlage muss dringend saniert werden. Die Ziervasen sowie die Balustrade haben schon seit rund 80 Jahren keine frische Farbe mehr gesehen und das Blattgold, das ihnen in früheren Jahren Glanz und Schönheit verlieh, lässt sich nur noch erahnen.
Zutritt für Besucher verweigert? Der Stadtmauerturm am Schlossgarten fristet derzeit ein touristisches Schattendasein.
Der "Lurenbläser" (eine Statue im Schlossgarten) schaut ebenfalls bedrückt, denn sein goldenes Kleid müsste dringend aufpoliert werden. "Dafür suchen wir zur Zeit noch Sponsoren", hebt die Gartenmeisterin hervor. Die laufenden Kosten verschlingen so viel Geld, dass die Restaurierung aus eigenen Mitteln derzeit nicht finanzierbar sei.
Eine Sanierung der Treppen im alten Wehrturm stehe daher nicht zur Debatte. Die Arbeiten am Stadtpfeiferturm hätten gezeigt, wie schwierig es ist, allen Vorschriften Rechnung zu tragen. Der Turm im Schlosskomplex kann seit Anfang des Jahres auf eigene Gefahr bestiegen werden. Über finanzielle Engpässe und gesetzliche Regelungen kann der alte Wehrturm wohl nur seinen mit einem Kegeldach bedeckten Kopf schütteln. In den vergangen Jahrhunderten hat er mit Kriegen, Bränden und drohenden Abrissen wahrlich Schlimmeres erlebt.
Ausguck und Kerker
Von Johann 1. (1355-71) im Rahmen der Stadtbefestigung erbaut, diente der Rundturm als Ausguck und Kerker. Als die Stadtmauern im 18. Jahrhundert abgebrochen wurden, blieb er zum Glück verschont.
Heute gehört das mittelalterliche Bauwerk neben dem Kirchturm, dem Krahnenturm am Kanapee sowie dem Stadtpfeiferturm und dem Uhrenturm des Schlosses, zu den einzigen fünf erhaltenen Türmen der Residenzstadt.
Die meisten von ihnen wurden in den vergangen Jahren saniert oder restauriert. Neben ihnen wirkt der Rundturm wie ein graues Mauerblümchen. Lediglich seine wuchtige Gestalt imponiert dem Betrachter. Verzierungen, Uhren, Glocken leuchtende Farben oder Mauerkronen kann er nicht vorweisen.
Günstige Gelegenheit
Aber vielleicht kommt der Stadtmauerturm beim Hessentag ja doch noch zu neuen Ehren. Eine günstige Gelegenheit, auf seine Probleme und seine Möglichkeiten als Aussichtsturm hinzuweisen, bot sich übrigens gestern: Für diesen Tag hatte sich hoher Besuch aus Wiesbaden angesagt. Ministerpräsident Roland Koch feierte mit seinem "Gefolge" ein großes Gartenfest im Weilburger Schloss.
