Presseberichte zu Weilburg
Vermischtes
Weilburger Tageblatt vom 03.09.2002
Landrat und Bürgermeister informieren sich im Wehrholz
Ein in Deutschland einmaliges Baudenkmal nimmt Gestalt an
Weilburg (ma). Fast 300 Jahre alt sind die drei Wasserreservoire oberhalb des Weilburger Krankenhauses im Wehrholzwald. Über zweihundert Jahre lang hat man dort das herabfließende Quellwasser gesammelt und über Gefäll-Leitungen aus Steinzeug und Gusseisen talabwärts über die Lahn zum Schloss und in die heutige Altstadt geleitet. Ein technisches Baudenkmal, wie man es in dieser Größe kein zweites Mal in Deutschland findet.
Bis zum Hessentag im Jahr 2005 sollen die Wassersammelbecken und Teile des Leitungssystems so weit restauriert sein, dass Sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Landrat Dr. Manfred Fluck (SPD) und Bürgermeister Hans-Peter Schick (parteilos) haben sich bei einem Besuch der Baustelle im Wald ein Bild vom Fortschritt der Restaurierungsarbeiten gemacht.
Zurzeit sind zwei ABM-Kräfte damit beschäftigt, die Wasserbecken, die teilweise zusammengestürzt und völlig überwuchert waren, wieder aufzumauern. Sie benutzen dafür die alten Basaltsteine, die noch im Becken liegen und ein Kies-Kalk-Gemisch, wie es ursprünglich auch verwendet wurde. Die Naturstein-Doppelmauern werden mit Ton abgedichtet, ebenso der Beckenboden.
Blick in das untere der drei Becken der historischen Weilburger Wasserversorgung, das fast fertig aufgemauert ist (von links: Walter Kramer, Gerd-Uwe Keller, Hans-Peter Schick und Manfred Fluck. (Foto: Sybille Maassen)
Alle Baumaterialien werden aus der näheren Umgebung bezogen, die Kosten von Arbeitsamt, Forstamt und Stadt getragen.
Das kleinste der drei Becken ist mittlerweile fast fertig gemauert. Der Leiter des Stadtbauamtes, Gerd-Uwe Keller, koordiniert die Restaurierungsarbeiten. Er betont, dass die Arbeiten wissenschaftlich vom Landesamt für Denkmalpflege, der Fachhochschulen Darmstadt und Wiesbaden begleitet werden.
Es sei aber dennoch schwierig, genau zu rekonstruieren, wie die Anlagen früher einmal ausgesehen haben: „Um Sabotageakte zu vermeiden, hat man die Anlage seinerzeit unter strenger Geheimhaltung gebaut, es gibt kaum Aufzeichnungen," so Keller.
An Händler verkauft
Dazu komme, dass die Stadt die Anlage um die Jahrhundertwende an einen Bauunternehmer veräußert hatte und dieser einen Teil der Materialien, vor allem Steine und Schiefer, verwendet und in Häuser in Weilburg und Braunfels eingebaut hat.
„Die Becken müssen eine Abdeckung aus Schiefer gehabt haben, aber wir wissen nicht genau, wie diese aussah", sagt der Leiter des Stadtbauamtes.
Landrat Fluck freut sich über den Fortschritt der Bauarbeiten und sieht in dem Projekt eine große Chance für Weilburg, insbesondere mit Blick auf den Hessentag.
Bürgermeister Schick ist sicher, dass Weilburg mit der historischen Wasserversorgung ein einmaliges technisches Baudenkmal besitzt, das den Erlebniswert der Stadt für kulturhistorisch interessierte Gäste erheblich steigern kann. Er möchte über den Hessentag hinaus eine Dauerausstellung im Wehrholzwald einrichten.
