Presseberichte zu Weilburg

Vermischtes

Weilburger Tageblatt vom 13.09.2004

Führung des Geschichtsvereins zum Steinbühl

Wasserbecken sind ein wertvolles Denkmal

Weilburg (mhz). Im Rahmen der Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals unter dem Thema „Wasser - wie läuft's” informierte der Geschichtsverein Weilburg in einer Wanderung zum „Steinbühl” über den Stand der Renovierung der historischen Wasserversorgung Weilburgs aus der Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts.

Vereinsvorsitzender Professor Dr. Gisbert Backhaus und einige Vorstandsmitglieder konnten am Kranenturm auf dem Kanapee zahlreiche Interessenten begrüßen, denen sie zunächst einen Einblick in die von der Stadt mit Unterstützung des Landes Hessen und der Technischen Universität Darmstadt und der Fachhochschule Wiesbaden-Klarenthal Wiesbaden begleiteten Maßnahme gaben. Auch Stadtbauamtsleiter Gerd Uwe Keller und der Geschäftsführer der Stadtwerke, Jörg Korschinsky, informierten über die gesicherten Reste der historischen Wasserleitungen und die heutige Wasserversorgung der Stadt.

Derzeit seien Historiker und Wissenschaftler dabei, die historische Wasserversorgung der barocken Residenz als technisches Denkmal von hohem Rang zu sichern. Die fast 300 Jahre alten Weilburger Wasserreservoirs sind einmalig in Deutschland; nachdem sie unter wissenschaftlicher Begleitung von überwuchernden Pflanzen freigelegt wurden, sogar von europäischem Interesse.

Den Stand des Wiederaufbaues der teils zerfallenen Wasserbecken, der in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt und den städtischen Forsten erfolgte, erläuterte Dr. Backhaus vor Ort. Das Quellwasser der Westerwaldhöhen wurde über Gefälleleitungen einem Hochbehälter zugeführt, der das Leitungssystem der barocken Residenz mit dem nötigen Druck versorgte.

Über die technische Eleganz dieser Lösung und die frühere Entwicklung der Wasserversorgungs- und Rohrleitungstechnik hat Roland Schmidt, einer der Mitarbeiter vom Fachbereich Architektur der Fachhochschule Wiesbaden eine interessante Diplomarbeit geschrieben. Auch Professor Dr. Mathias Döring von der Fachhochschule Darmstadt hat sich wissenschaftlich mit den Arbeiten befasst.

Es wird angenommen, dass Graf Johann Ernst mit seinen Mitteln eine Wasserversorgung nach Versailler Vorbild realisierte, die seinen Schlossgarten mit den repräsentativen Wasserspielen ausstatteten. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Fürst Philipp III. an der Brückenmühle ein Druckwerk errichten lassen, das Grund- oder Lahnwasser aus einem Becken in einen Behälter im Glockenturm der Schlosskirche hob. Die damals teils über die steinerne Brücke oder durch die Lahn verlegten verschiedenen Leitungssysteme waren jedoch sehr reparaturanfällig, vor allem bei Hochwasser. Graf Johann Ernst entschloss sich daher Anfang des 18. Jahrhunderts nicht nur zur Reparatur des Pumpwerks, sondern auch zu einem Ausbau des Wasserversorgungssystems für Schloss und Stadt.

Die Geschichte dieser vor fast 300 Jahren gebauten Wasserversorgung ist es wert, festgehalten zu werden. Die Weilburger Wasserreservoirs bieten die Möglichkeit, dies am historischen Ort selbst zu tun, da sie nicht in ein Museum gebracht werden können, um vor dem fortschreitenden Verfall geschützt zu werden. Dies kann nach Auffassung von Experten mit verhältnismäßig geringem Aufwand vor Ort geschehen. Die Ruinen müssen nicht umfangreich rekonstruiert werden, um Aussagekraft zu gewinnen.

Zum Abschluss zeigte Dr. Backhaus der Gruppe auf dem Kanapee eine neue Entdeckung: Ein mit Basaltsteinen abgedeckter Kanal, der erst vor wenigen Tagen gefunden wurde.