Presseberichte zu Weilburg

Vermischtes

Weilburger Tageblatt vom 10.01.2007

Im Bahnhof können bald Paddler schlafen

Bahn-Gelände in Weilburg ist komplett weiterverkauft/Stadt behält nur den Pendler-Parkplatz

Von Klaus Birk (0 64 71) 93 80 24 k.birk@mittelhessen.de

Weilburg. Das Bahnhofsgebäude in Weilburg ist verkauft. Ein privater Investor aus Elz hat das Gebäude jetzt von der Stadt Weilburg erworben und will im Obergeschoss ein Hotel mit 40 Betten einrichten, das vorwiegend für Wanderer, Radfahrer und Paddler gedacht ist. Damit ist das gesamte Gelände zwischen Bahnhof und Ahäuser Brücke, das die Stadt vor zwei Jahren von der Bahn erworben hatte, wie geplant komplett weiterverkauft.

Nach Angaben von Bürgermeister Hans-Peter Schick (parteilos) ist diese „Maklertätigkeit" der Stadt für Weilburg kostenneutral abgewickelt worden: „Wir haben 35 000 Quadratmeter Brache in Gewerbefläche unmittelbar am Stadtrand umgewandelt, ohne dass wie einen einzigen Cent dafür bezahlt hätten."

Denn ebenso wie jetzt das Bahnhofsgebäude verkauft worden ist, hat Weilburg auch das Gros der übrigen 35 000 Quadratmeter entlang des Löhnberger Wegs bis zur Ahäuser Brücke weiterveräußert.

Käufer der jeweiligen Flächen und Immobilien sind vorwiegend die Anlieger, die zuvor Mieter des ehemaligen Bahn-Geländes gewesen sind: Baustoffhandel Stroh, Landhandel Zipp und Aqua-Getränkemarkt.

Nur das Areal des Pendler-Parkplatzes wird Eigentum der Stadt Weilburg bleiben und soll im kommenden Jahr umgestaltet werde, so der Bürgermeister. Zu dem Gelände, das Weilburg von der Bahn AG gekauft hat und behalten wird, zählt auch die Aussichtsplattform "Flums Berg" gegenüber des Bahnsteigs, wo sich in früheren Jahren ein Hochbehälter befand, von dem aus die Dampflokomotiven mit Wasser betankt werden konnten.

Wechselvolle Geschichte

Der Weilburger Bahnhof, in den Jahren 1857 bis 1862 im Zuge des Baus der Lahntalbahn errichtet, lag in seinen Glanzzeiten unmittelbar an der Hauptstrecke Berlin-Paris.

1946 kamen an diesem Bahnhof die ersten Züge mit Vertriebenen aus den Osten an; eine Tafel erinnert an dieses düstere Kapitel jüngerer deutscher Geschichte. Ende der 80er Jahre begann dann aber der Niedergang des Bahnhofs Weilburg: Die Bahn machten den Güterbahnhof dicht und schloss den Fahrkartenschalter. Auch der Bahnhof selbst stand kurz vor dem Aus.

Die Wende kam Anfang 2005: Nach intensiven Verhandlungen war die Bahn zum Verkauf des Geländes nebst Güterbahnhof und Bahnhofsgebäude bereit, die Stadt Weilburg betätigte sich über ihre Tochter Nassauische Heimstätte sozusagen als Zwischenhändler.

Noch im gleichen Jahr, unmittelbar vor dem Weilburger Hessentag, zog erstes Leben in den alten Bahnhof ein: Da, wo einst Fahrkarten verkauft wurden, öffnete die "Mobilitätszentrale". Die Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil bietet die gesamte Leistungspalette des Rhein-Main-Verkehrsverbundes an und die Stadt vermarktet ihrerseits dort ihr touristisches Angebot.

Kurz vor Weihnachten ist ein neuer Kiosk mit Back-Shop im Erdgeschoss eröffnet worden, dem könnte nun auch wieder eine Bahnhofsgaststätte folgen, hofft Schick.

Herzstück des Bahnhofsgebäudes aber soll das 40-BettenHotel werden, das im oberen Stockwerk geplant ist. Es soll die Nachfolge des Hotels "Altstadt" antreten, das unter Wanderern, Boots- und Radtouristen, die auf ihrer Reise Station in der Residenzstadt machen, äußerst beliebt war. Es musste aus Brandschutzgründen schließen. Mit dem Verkauf des Bahnhofs an den Investor, der kurz vor dem Jahreswechsel abgewickelt wurde, sei die "Erfolgsgeschichte Bahnhof" nun für die Stadt abgeschlossen, sagt Schick.

Einfahrt wird neu gestaltet

Fast jedenfalls: Denn der Pendlerparkplatz zwischen Bahnhof und ehemaligem Güterbahnhof, rund 4800 Quadratmeter groß und weiter im Besitz der Stadt, soll im kommenden Jahr umgestaltet werden. Einen entsprechenden Antrag auf Zuschüsse hat Weilburg gestellt. Im Zuge der Parkplatzerweiterung will die Stadt zugleich den Einfahrtsbereich unmittelbar neben dem Bahnhof großzügiger gestalten; die Kurvenführung ist derzeit so eng, dass immer wieder Autos über die Bordsteine fahren.

Auch der auf der anderen Bahnhofseite gelegene Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) wird noch Veränderungen erfahren.