Presseberichte zu Weilburg

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Weilburger Tageblatt vom 22.02.2007

Nachlass lagert im Museum

Der "Weilburger Hochschulring" existiert nicht mehr

Von Klaus Birk (0 64 71) 93 80 24 k.birk@mittelhessen.de

Weilburg. Zwei Schecks und fünf Kisten sind gestern in den Besitz der Stadt Weilburg übergegangen. Es ist der Nachlass des Weilburger Hochschulrings, der Vereinigung ehemaliger Dozenten und Studenten des - ehemaligen - Pädagogischen Instituts (PI). 1500 Euro sind für das Bergbau- und Stadtmuseum vorgesehen, 4500 Euro für Fortbildungen in den Weilburger Kindergärten.

Was wie eine routinemäßige Spendenübergabe an Bürgermeister Hans-Peter Schick aussieht, ist in Wirklichkeit ein Schlussstrich - und zwar einer unter einen zentralen Teil der Weilburger Schulgeschichte: Nachdem das Pädagogische Institut Weilburg 1963 aufgehört hat zu existieren, hat sich jetzt, knapp 45 Jahre später, auch der Ehemaligen-Verein aufgelöst. Damit ist die letzte Institution verschwunden, die an die Geschichte des Pädagogischen Instituts Weilburg erinnerte.

Bei den zusammen 6000 Euro, die Schick gestern vom letzten Vorsitzenden des Hochschulrings, Dieter Steinruck, entgegen nahm, handelt es sich um das noch vorhandene Vereinsvermögen des Hochschulrings. Im vergangenen Herbst habe man beschlossen, den 1950 gegründeten Verein "abzuwickeln", wie Steinruck sagt. Schließlich sei er mit 67 Jahren der jüngste im Vorstand - und weil es das PI seit 45 Jahren nicht mehr gibt, gibt es auch keine neuen Mitglieder bei den "Ehemaligen" mehr.

Zusammen mit dem beiden Schecks sind noch fünf große Kisten in den Besitz der Stadt übergegangen: Das Archiv des Pädagogischen Instituts. Vorlesungsverzeichnisse, sind darunter, Lehrpläne Unterrichtsmaterialien sowie die Adressen aller ehemaligen Studenten, Dozenten und Professoren. Und eine limitierte Buchausgabe von Hjalmar Kutzleb, einst Professor am Pädagogischen Institut und Verfasser unter anderem von Gedichten.

Über Jahrzehnte gesammelt und aufbewahrt hatte diesen Fundus der inzwischen verstorbene Werner Funck, sortiert und weitgehend katalogisiert hat das Material dann Heinz Hamm. Der Pädagoge, der in Ahausen wohnt und lange Jahre Leiter der Schule "Auf dem Falkenflug" in Löhnberg war, erinnert sich an die "sehr bereichernde Zeit" seiner Lehrerausbildung in Weilburg: "Das war unsere pädagogische Heimat", sagt Hamm heute.

Zwischen 1934 und 1963 sind in Weilburg Pädagogen ausgebildet und intensiv auf ihren Einsatz in der Schulpraxis vorbereitet worden. Fünf Kisten voll Erfahrungen aus 30 Jahren Lehrerausbildung in Weilburg Eine Zeit, an die sich die Vorstandsmitglieder des nun nicht mehr existierenden Hochschulrings gerne erinnern - und der sie nachtrauern: Mit der Eingliederung des PI Weilburg in die Justus-Liebig-Universität Gießen im Jahre 19963 sei die am Schulalltag und damit an den Kindern ausgerichtete praxisorientierte Lehrerausbildung weitestgehend der Theorie im universitären Betrieb gewichen. In den fünf Kisten, glauben Dieter Steinruck, Gerhard Gericke, Werner Meuser und Heinz Hamm, könnten sich daher Dinge finden lassen, die für die Lehrerausbildung in der heutigen Zeit von großem Wert seien.

Deshalb sei der Betrag von 1500 Euro aus dem Vereinsvermögen auch für das Museum vorgesehen, damit die Unterlagen und Lehrpläne ordentlich aufbewahrt, archiviert und für Interessierte zugänglich gemacht würden.

Da man aber auch in die Zukunft schauen müsse, seien die übrigen 4500 Euro unter dem Motto "Lehrer spenden für Kinder" für eine "absolut notwendige Sache" weitergeben worden: Für Fortbildungen der Erzieherinnen in den Kindergärten der Stadt. Denn, sagt Steinruck, Bildung könne gar nicht früh genug die Kinder erreichen, qualifiziertes Personal sei die wesentliche Voraussetzung dafür.

Für den Bürgermeister sind die 4500 Euro sehr willkommen: Damit werde eine zentrale Fortbildung für das Personal der elf Weilburger Kindergärten finanzierbar, so Schick.