Presseberichte zu Weilburg
Vermischtes
Weilburger Tageblatt vom 20.10.1999
Stadt will Zeugnis ihrer Geschichte für die Öffentlichkeit erhalten
Unbekannte Stollen beim Restaurieren der alten Wasserreservoire entdeckt
Weilburg (dn). "Die Stadt Weilburg an der Lahn Ist reich - nicht in der Kasse, aber an Schätzen in ihren Mauern, in der Landschaft, in der Natur, teilweise verborgen und dennoch reizvoll", sagte Bürgermeister Hans-Peter Schick gestern und stellte dann "eine der größten Baustellen der Stadt" der Öffentlichkeit vor. Sie liegt oberhalb der Stadt im Wehrholzwald im Steinbühl-Gebiet. Objekt der schon fast ein halbes Jahr dauernden Arbeiten von Mitarbeitern des Bauhofs zusammen mit dem Forstamt Weilburg sind die Wasserreservoire, die ehedem der Wasserversorgung der Stadt dienten.
Waldspaziergänger kennen die beiden größeren und ein kleines der aus Basalt gemauerten Becken, die das aus den Wäldern um Waldhausen und Allendorf ("Wolferswiesen") herabfließende Quellwasser sammelten und dann durch Röhren weiter talabwärts, über die alte Kettenbrücke an der Lahn zum Schloss und in die heutige Altstadt leiteten. Freilich musste man schon genau hinsehen: Fichten wuchsen im Lauf der Zeit auf den Beckenboden, teilweise stürzten die Mauern der fast zweihundert Jahre lang der Trink- und Löschwasserversorgung Weilburgs dienenden Becken ein.
Um diese Zeugnisse aus der Stadtgeschichte nicht nur zu erhalten, sondern sie dann auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde im Mai dieses Jahres mit der Renovierung eines dieser Reservoire begonnen. Im Laufe der Arbeiten in der Umgebung dieses Beckens wurden nicht nur Leitungen, dabei auch eine Verteilerstation der verschiedenen Rohrleitungen und ein Reinigungskanal, freigelegt, sondern auch mehrere fast mannshohe und begehbare Stollen unterhalb jedes der drei Becken.
"Diese Stollen waren bisher nicht bekannt, sie sind nirgends erwähnt, und wir wissen nicht genau, wozu sie dienen sollten," erklärte Gerd Uwe Keller, Leiter des Stadtbauamtes, der die Restaurierungsarbeiten leitet. Ähnliche Bauten sind in Deutschland nicht bekannt," berichtet er aus seinen Nachforschungen in der Geschichte, die ihm auch Achtung vor den Ingenieurleistungen der Jahre 1706 bis 1709 abnötigen, aus denen die jetzt freigelegte Weilburger Wasserlogistik stammt. In dem auch in den Stollen sehr gut erhaltenen Gemäuer einer "Krahnenkammer" machte er auf die drei Zuflüsse aus den Becken und die fünf tönernen Abflüsse in Richtung Stadt aufmerksam und ein Rohr aus Holz noch dazu.
Auf die mit Lehm aufgefüllten und teilweise abgerundeten Naturstein-Doppelmauern machte Keller aufmerksam, die sowohl für Dichtigkeit der Becken als auch für genügend Widerstand gegen den Wasserdruck sorgten: "Die Erbauer hatten damals die Statik schon ganz gut drauf," bestätigte der Ingenieur anerkennend.
"Die Arbeiten werden wissenschaftlich und durch die Denkmalpflege begleitet," erläuterte Prof. Dr. Backhaus, der als Leiter des Forstamtes und Vorsitzender des Geschichtsvereins gewissermaßen in Doppelfunktion beteiligt ist. Über die technischen Einzelheiten der historischen Weilburger Wasserversorgung wird noch etliche Forschungsarbeit zu leisten sein. Die früher über den Becken befindliche Überdachung - in einem Fall sogar Überbauung mit einem Gebäude - soll nicht wieder angebracht werden.
"Bis mindestens zum Jahr 2001 werden wir mit der Renovierung zu tun haben," schätzte Bürgermeister Schick. Und dann, so blickt er in die weitere Zukunft, ist die Renovierung des Neptunbrunnens auf dem Marktplatz als Endstation der alten Weilburger Wasserleitung an der Reihe."
