Zeppelin LZ V / Z II

Zeppelinstrandung Z II in Weilburg 1910

Bericht des Weilburger Tageblatts vom 26. April 1910

Der nachstehende Pressebericht zur Strandung des Z II am 25.04.1910 in Weilburg erschien in der Ausgabe des "Weilburger Tageblatt" vom Dienstag, den 26. April 1910 und wird hier unverändert und ungekürzt wiedergegeben.

Die Katastrophe des "Z II".

Limburg, 25. April. Ein Augenzeuge gibt der "Frkf. Ztg." folgende Darstellung: "Es war gegen 1 Uhr, als ich den Z. 2 besichtigen wollte. Der Wind pfiff ganz gehörig, so daß das Luftschiff hin- und herflog. Dann und wann wurden die Soldaten, die es hielten, einen Meter über den Erdboden in die Lüfte gehoben. Ich ging um das Luftschiff herum und hörte verschiedene Kritiken, daß es nicht allzusicher befestigt sei. Auf einmal setzte ein orkanartiger Sturm ein, das Luftschiff hob sich mit aller Wucht von dem Erdboden, zerriß sämtliche Stricke, an denen es befestigt war und stieg langsam senkrecht in die Lüfte. Alles lief durcheinander. Die Versuche der Soldaten, den Z. 2 festzuhalten, waren selbstverständlich vergeblich. In stolzer Freiheit schwebte Z. 2 in der Richtung nach Weilburg dahin und entschwand nach einiger Zeit den Blicken der Zuschauer."

Weilburg, 25. April. Das Zeppelinsche Luftschiff, das wir am Freitag noch mit stolzem Flug über die Türme von Homburg fliegen und dann auf dem grünen Saatfeld jenseits des Bahnhofs niedersteigen sahen, liegt heute nach kaum drei Tagen jämmerlich zerschellt an einem Berg bei Weilburg. Der weiße Adler, der uns so oft in schneller Fahrt aus den Wolken grüßte, der auf der Frankfurter Ila so gewaltige Begeisterung auslöste und Tausende und Abertausende nach dem Flugfeld lockte, hängt zersplittert zwischen den Ästen von Kastanienbäumen und an Felsen.

Der weiße Ballonstoff flattert im Winde hin und her. Die Spitze des Luftschiffs schaukelt sich in den Ästen eines Baumes am Fuße des Webers Berges. Das Heck hat sich hoch auf den Berg hinaufgeschoben, dort einige Bäume geknickt und ist endlich als Wrack liegen geblieben. Das ganze bietet ein Bild der Verwüstung und des Jammers. Durch die weiße Ballonhülle hat sich das Gitterwerk des Schiffsrumpfes durchgebohrt und ragt in unzähligen Teilen in die freie Luft. Die vordere Gondel steht abgelöst vom Schiffskörper am Boden. Die Ballonetts sind bis auf einige im Vorderschiff, die später entleert wurden, ausgelaufen.

Die steile Halde hinauf und hinunter eilen Soldaten, Offiziere, Gendarmen und Feuerwehrleute. Der Chef der Verkehrstruppen, v. Lynker, der im Automobil hierhergekommen ist, erteilt Befehle. Die Majore Neumann und Groß sind ebenfalls zur Stelle. Am Vorderteil des Schiffes halten etwa fünfzig Soldaten Taue. Der Wind bohrt sich in den offenen Schiffskörper, hebt ihn hoch und droht, ihn den Berg hinunter auf die Neugierigen zu werfen.

Direkt unterhalb des Berges führt in weitem Bogen am Wasser entlang die Limburger Bahnlinie vorüber. Ein Trost ist bei allem Unglück geblieben: Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Gondel war leer, und als das Luftschiff mit einem Höllenlärm mächtig gegen den Berg polterte, waren wenig Leute in der Nähe.

Der Ballon kam aus südwestlicher Richtung gegen Gräveneck und Kirschhofen, direkt auf das Lahntal zu. Er kam mit der Spitze nach vorn und streifte in mäßiger Höhe die Baumkronen. Im Lahntal riß eine Windböe den Schiffskörper heftig herum, drückte ihn tiefer und tiefer zur Erde und führte ihn mit der Längsseite direkt gegen die Stadt am Fluß vorüber zum "Webers Berg". Kurz vor dem Berg wurde das Luftschiff herumgeschleudert und kam dann so tief zur Erde, daß es mit der Spitze in das Lahnwasser tauchte. In diesem Augenblick kam ein neuer Windstoß, drückte den Schiffsrumpf zu Boden und warf ihn mit der Breitseite gegen den Berg. Telegraphenstangen und Bäume wurden geknickt und der mächtige Schiffskörper brach mitten entzwei. Zwei Bahnwärter, die gerade auf der Strecke waren, brachten sich durch schnelle Flucht in Sicherheit. Der Sturm, der immer mehr zunahm, hob das Luftschiff noch einmal in die Höhe und schob es vom Bahnkörper, den es teilweise deckte, ganz auf den Berg hinauf.

Mit der Demontierung des Luftschiffes wurde sofort begonnen. Die Unteroffiziersvorschüler und die Feuerwehrleute hatten große Mühe, den in die Luft ragenden Vorderteil zur Erde zu ziehen, zumal da das Gas sich nur langsam entleerte. Das mittelst Sonderzug herbeigekommene Militär aus Diez, löste die Unteroffiziersvorschüler ab.

Gegen 5 Uhr ließ der Sturm nach, die Sonne brach durch die Wolken und beleuchtete den zertrümmerten Schiffsleib. Gegen 6 Uhr traf neues Militär ein, welches den von Neugierigen dicht belagerten Platz absperrte. Jetzt erst ließ sich der ganze beklagenswerte Zustand des Luftschiffwracks übersehen.

Das Hinterteil ruht zur Hälfte auf zwei Baumkronen, zur anderen Hälfte auf einem kleinen Wirtschaftstempel, der dicht an den Berggrat gebaut ist. Die herniederhängenden Steuerteile, die der Wind tiefer in die Äste der Bäume hineingeschoben hat, überdecken den Zwischenraum zwischen den beiden Bäumen und bilden so eine künstliche Decke für den Garten, der zwischen dem Tempel und dem den 100 Meter hohen Berg krönenden Kurhotel liegt.

Gegen 8 Uhr abends begannen die Äste zu krachen und das Hinterteil drohte in den Garten herniederzustürzen. Die Soldaten, die dort ihre Tornister und Gewehre in langer Reihe aufgestapelt hatten, mussten rasch das Feld räumen. Knapp am Bergrand liegt die hintere Gondel, deren Verbindungen mit dem Schiffsrumpf sämtlich entzweigebrochen sind. Die Kurbelstange ist stark nach innen gebogen und obenauf ragen unbeschädigt die Propeller in die Luft. Die Gondel selbst, die nur durch niederes Gebüsch vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt wurde, ist fast unversehrt geblieben, nur auf der einen Seite ist sie durchlöchert.

Die Motore und Instrumente sind unbeschädigt. Der Registrierapparat zeigt die Höhe der Fahrt auf 500 Meter an. Am stärksten wurde das Mittelschiff mitgenommen, das dem ersten Anprall ausgesetzt war. Während nämlich der hintere Teil bis zum Hotel vorgeschoben worden war, blieb das Mittelschiff auf halber Höhe des Berges an einem Eichbaum hängen und brach, während der Sturm an dem Endteil zerrte, zusammen.

W e i l b u r g, 25. April. Generalinspektor von Lynker sandte an den Kaiser folgendes Telegramm:

"Finde an der Unfallstelle "Z 2" in der Mitte durchgebrochen und beschädigt, so daß die Wiederherstellung ausgeschlossen ist. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Es lässt sich schon jetzt beurteilen, daß die Schuld an dem Unglück niemandem zuzumessen ist, sondern dasselbe ist durch höhere Naturgewalt verursacht. Einen näheren Bericht werde ich Ew. Majestät untertänigst unterbreiten. Lynker" -

Das Kriegsministerium zog telephonisch Erkundigungen ein. Aus Frankfurt ist der Chef des Generalstabes des 18. Armeekorps Oberst Ilse eingetroffen. Die Mehrzahl der höheren Offiziere vom Luftschifferbataillon in Köln ist abgereist, Major v. Neumann bleibt da, um die Bergungsarbeiten zu betreiben und zu leiten, die mehrere Tage in Anspruch nehmen dürften.