Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 11.04.2000

Die Brücke
Eine Serie von Wolfgang Henss

Von Osttangente zur Teilortsumgehung

Weilburg, Lahn, Autokorso zur Teilortsumgehung 1989

Mit einem Autokorso und einer Kundgebung demonstrierte am 20. Oktober 1989 die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Gesamt-Weilburg gegen die Brückenpläne und für eine "kleine Brücke paralell zur Eisenbahnbrücke". Aber auch die Befürworter waren nicht untätig. Sie ließen ein Flugzeug mit einem Spruchband "Brücke G muß kommen" über Weilburg kreisen.

Weilburg. Die Chronologie der "Brücke" liest sich wie eine unendliche Geschichte. Vier Jahrzehnte werden ins Land gehen von den ersten Ansätzen einer Lösung der Weilburger Verkehrsprobleme im Jahr 1964 bis zum Jahr 2004, in dem die ersten Fahrzeuge die Teilortsumgehung befahren sollen.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, Steinerne Brücke; WT v. 11.04.2000

Am 10. Mai 1979 sitzen Mitarbeiter des Straßenbauamtes Weilburg in Fahrzeugen am Straßenrand überall in der Stadt, zählen und analysieren die Verkehrsbeziehungen. Schon damals quälen sich 14.500 Fahrzeuge täglich durch die Stadt.

Mehrere Generationen Weilburger Kommunalpolitiker haben sich mit diesem Thema beschäftigt bzw. werden sich noch damit befassen. "Die Brücke" war lange Jahre ein sehr umstrittenes Thema in der Öffentlichkeit, obwohl das Stadtparlament sich seit 1981 weitgehend einig war.

Auch in den Kommunalwahlkämpfen spielte das Thema nur eine untergeordnete Rolle. "Die Brücke" brachte keine Stimmen, kostete aber auch keine. Während CDU und SPD relativ geschlossen auf die Variante G (Brücke am Hallenbad) einschwenkten, stimmte die FDP zunächst für die Variante F (Brücke neben der Eisenbahnbrücke), unterstützte aber im städtischen Interesse die abgespeckte Variante G. Die Grünen lehnten die Planung zunächst ab, agierten dann aber nicht mehr offensiv dagegen und sorgten mit ihrer Stimmenthaltung dafür, dass das Stadtparlament 1994 sich erstmals einstimmig für das Projekt aussprach.

Weilburg, Lahn, Präsentation; WT v. 11.04.2000

Reges Interesse an der Brückenplanung gab es in vielen Versammlungen. Im Oktober 1994 wurden die Pläne von Professor Ackermann auch im Modell vorgestellt. das Stadtparlament forderte am 13. Oktober erstmals einstimmig eine umgehende Realisierung der Variante G

Opposition und Bürgerinitiative

Die eigentliche Opposition gegen die Planung formierte sich außerhalb des Stadtparlamentes in verschiedenen Bürgerinitiativen, von denen die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Gesamt-Weilburg unter Führung von Johannes Meyer, dem mittlerweile verstorbenen Begründer der Schlosskonzerte, der entschiedenste Gegner war.

Nach Meyers Tod machte besonders der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen die Brückenpläne Front und fand dabei Unterstützung bei der Oberen Naturschutzbehörde und Regierungspräsident Hartmut Bäumer. Doch nach der Einigung auf ministerieller Ebene verzichtete die örtliche Organisation des BUND auf eine Klage, die möglicherweise die Verwirklichung der Teilortsumgehung weiter verzögert hätte.

Hier die Chronologie der Teilortsumgehung von 1964 bis heute:

1964: Das Kreisbauamt des Oberlahnkreises schlägt den Bau einer weiträumigen Umgehungsstraße für Weilburg, die sogenannte Osttangente, vor.

1972: Über die Steinerne Brücke fahren täglich 11000 Kraftfahrzeuge.

1972 bis 1976: Erarbeitung von Vorstudien (Ausbau der Ortsdurchfahrt, Einbahnverkehr, Osttangente, Teilumgehung)

1977/78: Landeskonservator bringt Pläne für Einbahnverkehr mit Überbauung des Mühlgrabens an der Steinernen Brücke zu Fall. Voruntersuchungen konzentrieren sich auf stadtnahe Umgehungsstraßen.

Erste Pläne für eine Teilumgehung

1978: Straßenbauamt präsentiert erste Planungen für eine Teilumgehung mit Bau einer Lahnbrücke zwischen Landtor und Bahnhofstraße.

1979: Neue Verkehrszählung: 14 500 Kraftfahrzeuge täglich. Teilumgehung entlastet durchschnittlich um 75 Prozent, eine großräumige Umgehung nur um 30 Prozent.

1979 bis 1981: Freies Büro erarbeitet im Auftrag des Straßenbauamtes sechs Planungsvarianten, von denen drei (D, E und F) sowie eine modifizierte Planung des Straßenbauamtes (Variante G) für die Abstimmungsphase ausgewählt werden. Nach ergänzenden Untersuchungen scheiden die Varianten D (städtebauliche Gründe) und E (geologische Probleme) aus.

1981: Informationsbroschüre des Straßenbauamtes, Bürgerversammlung am 22. Oktober 1981. Landeskonservator befürwortet am 16. November Variante G. Stadtparlament am 26. November mit 29 gegen 7 Stimmen für Variante G.

1982: Landeskonservator revidiert Auffassung und plädiert für Variante F. Nach Verhandlungen mit Straßenbauamt stellt er seine Bedenken jedoch wieder zurück. Am 15. Dezember beschließt das Stadtparlament die modifizierte Variante G mit 27 gegen 3 Stimmen bei einer Enthaltung.

1983: Abstimmung der Variante G mit den Trägern öffentlicher Belange. Auch die Bezirksdirektion für Forsten und Naturschutz (damalige Naturschutzbehörde) stimmt zu.

1984: Die Stadt Weilburg nimmt Teilortsumgehung in Flächennutzungsplan auf. Der Landeskonservator gibt seine positive Beurteilung der Variante G auf und spricht von einer neuen Entscheidungsgrundlage.

Ministerium will großräumige Lösung

1985: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst will weder die Varianten F noch G akzeptieren und fordert eine großräumige Umgehung.

1987: Am 3. Februar tagt der Landesdenkmalbeirat in Weilburg und empfiehlt die Bildung eines Gutachterausschusses, der Alternativen zur Planung des Straßenbauamtes erarbeiten soll.

Weilburg, Lahn, Steinerne Brücke; WT. v. 11.04.2000

Die Verkehrslawine nimmt ständig zu. bei der Verkehrszählung am 17. September 1992 ist allein die Steinerne Brücke mit täglich 17.300 Kraftfahrzeugen belastet.

1988: Die Straßenbauverwaltung beauftragt Professor Hiersche (Karlsruhe) mit der Erarbeitung eines Gutachtens. Hiersche legt das Gutachten im Juli 1988 vor und gibt trotz Kritik in Einzelfragen der Variante G den Vorzug. Der Landesdenkmalbeirat gibt seinen Widerstand gegen die Planung auf. Nach einer Bürgerversammlung am 10. Oktober 1988 nimmt das Stadtparlament am 20. Oktober das Hiersche-Gutachten mit 33 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen zustimmend zur Kenntnis und äußert die Erwartung, dass nunmehr die Sache vorangetrieben wird. Am 29. Dezember 1988 nimmt das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst Stellung und äußert die Bitte, bei der weiteren Planung für die Gestaltung der Bauwerke ein Gutachterverfahren unter Beteiligung erfahrener Architekten durchzuführen.

1989: Architekten-Wettbewerb. Obergutachter wählen den Vorschlag von Professor Ackermann (Bogenbrücke aus.

1991: Professor Ackermann stellt seine Pläne am 25. April dem Stadtparlament vor. Im Mai Bohrungen auf dem alten Friedhof, Vorplanungen für Weiltaltunnel.

1992: Verkehrszählung an 17. September: Die Steinern Brücke ist täglich mit 17.300 Kraftfahrzeugen belastet.

1993: Übernahme der Pläne von Ackermann und des Landschaftsarchitekten in den Entwurf.

Bürgerversammlung und Einstimmigkeit.

1994: 11. Oktober
Bürgerversammlung mit Vorstellung der aktualisierten Brückenpläne.

13. Oktober:
Das Stadtparlament stimmt erstmals einstimmig den Plänen des Straßenbauamtes zu und fordert die Einleitung aller Schritte zur Realisierung umgehend in die Wege zu leiten.

1995:
Am 31. August wir das Planfeststellungsverfahren eingeleitet.

1997: 13. März: Das Stadtparlament fordert in einer einstimmig angenommenen Resolution von der Landesregierung den Abschluss des Planfeststellungsverfahrens bis September 1997 und Baubeginn der Brücke im Jahr 1998.

25. September: Erörterungstermin in der Weilburger Stadthalle - die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern (besonders die Obere Naturschutzbehörde) der Variante G bleiben hart.

Weilburg, Lahn, Fotomontage mit neuer Lahnbrücke; WT 11.04.2000

Das Straßenbauamt warb in den Achtziger Jahren nicht nur mit einer Informationsbroschüre für das Brückenprojekt, sondern auch mit Fotomontagen, die in unserer Zeitung abgedruckt wurden und in einer Ausstellung in der Stadthalle zu sehen waren. Dieses Bild vermittelt einen  Eindruck, wie die Brücke einmal über die Lahn führen wird. Allerdings zeigt die Montage aus dem Jahr 1987 noch die alte Brückenplanung mit einem Flusspfeiler, die später von einer Bogenbrücke abgelöst wurde.