Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 19.04.2000

Die Brücke
Eine Serie von Wolfgang Henss

Drei Tunnel unter der Frankfurter Straße

Weilburg, Lahn, Planskizze, geplanter Weiltaltunnel unter der Frankfurter Straße; Foto: WT 19.04.2000

Diese Planskizze zeigt, welch sensibles Gebiet der Weiltaltunnel unterquert: Die Heiliggrabkapelle und der Kalvarienberg dürfen bei den Arbeiten keinen Schaden erleiden.

Weilburg. "Adolphus dux nassoviae montis jugum per fossum navibus aperuit ad MDCCCXLVII". Diese Inschrift über dem Nordportal des 195 Meter langen Weilburger Schiffstunnels verrät dem der lateinischen Sprache Mächtigen nichts anderes, als dass Herzog Adolph von Nassau diesen 1847 vollendeten einzigen Fluss-Schiffstunnel Deutschlands gebaut hat. 15 Jahre später (1862) ratterten die ersten Dampfrösser durch den nur 55 Meter entfernten, 302 Meter langen Eisenbahntunnel. Weitere 140 Jahre sollten vergehen, bis aus den Weilburger Tunnel-Zwillingen ein Drillingspärchen wird.

Weilburg, Lahn, Luftaufnahme, untertunnelter Bereich der Frankfurter Straße; Foto: WT v. 19.04.2000

Einzigartig in Deutschland: Innerhalb von nur 100 Metern werden drei Tunnel (Eisenbahntunnel (Eisenbahntunnel, Schifffahrtstunnel und Straßentunnel) die Lahnschleife in Weilburg abkürzen.

Denn der Weiltaltunnel, der im Zuge der Teilorts umgehung gebaut wird, um den Verkehr aus dem Weiltal auf die neue Brücke zu lotsen, ent- steht parallel zum Schiffstunnel in einer Entfernung von lediglich 45 Metern. Dieses ingenieurtechnische Dreigestirn ist sicher einzigartig: nicht nur, weil gleich drei Tunnel innerhalb von nur 100 Metern die Frank- furter Straße unterqueren. Auch die Tatsache, dass sie drei verschiedenen Fortbewegungsmitteln (Wasserfahrzeuge, Schienenfahrzeuge und Kraftfahrzeuge) dienen, dürfte eine Rarität sein.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung: Planskizze, Portal des Weiltaltunnels an der neuen Autobrücke; Foto: WT v. 19.04.2000

Der Weiltaltunnel unter der Frankfurter Straße verbindet die Weilstraße mit der neuen Trasse der Landstraße 3025. Diese Planskizze zeigt das Tunnelportal im Ahäuser Weg. Die Portale werden mit Bruchsteinen verkleidet.

Die Planung sieht vor, dass die Weilstraße in Höhe des Hauses Weilstraße 1 nach rechts weg schwenkt und in den Tunnel mündet, der mit einer Steigung von 3,3 Prozent nach 130 Metern wieder im Ahäuser Weg im Bereich der dort früher ansässigen Spedition Meurer ans Tageslicht kommt. Das Speditions- gebäude, das Haus Weilstraße 1 sowie weitere Häuser im Ahäuser Weg mussten der  neuen Trasse Platz machen. Der Tunnel ist  für Fußgänger gesperrt.

In der Weilstraße muss eine neue Stützmauer gebaut werden, um den Hang unterhalb der katholischen Kirche abzufangen. Beide Portale werden mit Bruchsteinen verkleidet.

Wohldosierte Sprengungen

Während eine frühere Planung des Tunnels eine offene Bauweise vorsah, ist das bei der aktuellen Planung nicht mehr möglich, es sei denn, man würde die denkmalpfle- gerischen Kleinode Heiliggrabkapelle und Kalvarienberg mit Kreuzigungsgruppe abreißen. Also treibt man den Tunnel in bergmännischer Bauweise voran.

Das kann eine gute Zeit in Anspruch nehmen, denn man kann dabei nicht munter drauflos arbeiten. Bei den Spren- gungen muss die Menge des Sprengstoffes wohldosiert sein, und das aus zwei Gründen. Zum einen will man natürlich die oben genannten Denkmale auf dem alten Friedhof nicht gefährden. Und zum anderen liegt in unmittelbarer Nähe der Trasse ein großer Abwasserkanal, der in den Siebziger Jahren im sogenannten Vortriebverfahren durch das Gestein verlegt wurde. Dabei wurden die Zwischenräume zwischen Kanalrohr und Fels mit Beton ausgefüllt, so dass sich die bei den Sprengungen unvermeidbaren Er- schütterungen auf die Rohre übertragen. Beim Bau des dritten Weilburger Tunnels ist also Vorsicht die Mutter der Porzellankiste!

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, Schiffstunneleinfahrt; Foto: WT v. 19.04.2000

Das Portal des Schifffahrtstunnels wird von der Planung nicht tangiert. Hier endet die Ausbaustrecke. Der Straßentunnel mündet allerdings in nur 45 Meter Entfernung auf Höhe der ehemaligen Spedition Meurer (rechts im Bild).