Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 01.09.2000

Weilburger Stadtparlament beschloss gestern Abend einstimmig Vereinbarung mit dem Bund

Erster Spatenstich für die neue Teilortsumgehung am 27. Oktober mit Bundesfinanzminister Hans Eichel.

Weilburg, Lahn, Luftbild der Kernstadt Weilburg; Foto: WT v. 22.04.2000

Der Bau der Teilortsumgehung wird die Weilburger Altstadt entlasten. Dass sie dennoch mit dem Auto befahren werden kann, dafür soll ein ausgeklügeltes System der Verkehrsführung sorgen. Durch Einbahnverkehr können zudem zusätzliche Parkplätze geschaffen werden.

Von Wolfgang Henss

Weilburg. Zäh wie Leder war der jahrzehntelange Kampf um die Verwirklichung der Weilburger Teilortsumgehung aber jetzt geht es Schlag auf Schlag: Gestern Abend stimmte das Weilburger Stadtparlament in der ersten Sitzung nach der Sommerpause in der Aula des Komödienbaues einstimmig einer 19 Paragrafen umfassenden Vereinbarung zwischen der Stadt und der Bundesrepublik Deutschland über den Bau der lebensnotwendigen Altstadtentlastung zu. Am Mittwoch, dem 6. September, werden Bürgermeister Hans-Peter Schick und Erster Stadtrat Hans Bruchmeier diese Vereinbarung im Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) in Weilburg, das die Bundesrepublik Deutschland vertritt, unterschreiben. Und am 27. Oktober 2000 - das teilte Schick gestern mit - kommt Bundesfinanzminister Hans Eichel nach Weilburg, um mit dem ersten Spatenstich die Ampel nun endlich auf Grün zu stellen, damit das 54-Millionen-Projekt, an dem die Stadt mit rund sieben Millionen Mark beteiligt ist, rechtzeitig zum Hessentag im Jahr 2005 abgeschlossen ist. Unterstützt beim Spatenstich wird Hans Eichel, der aus seiner Zeit als Hessischer Ministerpräsident die Weilburger Verkehrsmisere genau kennt, von Dr. Herbert Hirschler, dem Staatssekretär im Hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, der bereits beim Startschuss zum Bau der Ahäuser Brücke zum Spaten griff.

Gegenstand der Vereinbarung ist neben dem Bau der neuen Bundesstraßen-Trasse zwischen Landtor und Limburger Straße mit neuer Lahnbrücke und dem die Frankfurter Straße unterquerenden Weiltaltunnel auch die Errichtung eines zweigeschossigen Parkdecks (offizieller Sprachgebrauch: "Parkeinrichtung") am Landtor mit 193 Stellplätzen.

Den Bau der Parkeinrichtung muss die Stadt mit einem Anteil von 51,6 Prozent mitfinanzieren. Im einzelnen kommen auf die Stadt Weilburg folgende Kosten zu: Zu den Grunderwerbskosten von 1.087.000 Mark und den Baukosten von 5.483.000 Mark kommen Verwaltungs- und Planungskosten von 328.000 Mark sowie 200.000 Mark für Baumaßnahmen in der Altstadtdurchfahrung (zum Beispiel Umgestaltung des Bereichs am Denkmal); das sind insgesamt knapp 7,1 Millionen Mark, die in den nächsten fünf Jahren fällig werden.

Insofern wird der Bau der Teilortsumgehung den Stadtsäckel noch in den nächsten 20 Jahren belasten. Doch zum einen ist der Gegenwert (die Entlastung der Altstadt und die städtischen Entwicklungschancen) mit Geld nicht aufzuwiegen.

3,7 Millionen Landeszuschuss

Und zum anderen konnte Bürgermeister Hans-Peter Schick mit den Zahlen, die er gestern Abend präsentierte, sicher auch manchen Zweifler überzeugen. Denn nach dem letzten Stand der Dinge zahlt das Land Hessen für den Bau der Parkeinrichtung und der Nebenanlagen einen Zuschuss von 3.714.204 Mark.

So bezeichneten SPD-Sprecher Heinz Ulrich Mengel und Christine Zips (CDU) die städtische Belastung als vertretbar. Gerhard Würz von der FWG sprach sogar von einem "ganz hervorragenden Ergebnis", das er in kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten hätte.

Grüne und FDP stimmten zwar wie die drei anderen Fraktionen der Vereinbarung zu, betonten aber, sie hätten gerne auf den Bau der Parkeinrichtung, wie sie der Magistrat noch im April beschlossen hatte, verzichtet. Der Magistrat, so Bürgermeister Schick, habe seinen Beschluss aus dem Frühjahr, der durch die damalige unsichere Finanzsituation geprägt war, wieder aufgehoben. Der Verzicht auf die Parkeinrichtung hätte unter dem Strich nichts Entscheidendes für die Stadt gebracht.

Einen Überblick über Gesamtkosten der Umgehung, Kostenanteile, Kosten einzelner Bauwerke, Bauzeiten und technische Daten von Brücke, Tunnel und Parkeinrichtung gibt die Grafik auf dieser Seite.

"Der Sieg hat viele Väter", meinte Stadtverordnetenvorsteherer Norbert Dieth nach der Abstimmung, lobte aber besonders das Verhandlungsgeschick des Bürgermeisters und die Standhaftigkeit des Stadtparlamentes in den zurückliegenden Jahren.

Der Landkreis Limburg-Weilburg, das stimmte sicher nicht nur den Rathauschef mißmutig, hat einen Zuschussantrag der Stadt trotz der auch für die Region bedeutsamen Baumaßnahme abgelehnt.

Die Stadtverwaltung hat jedoch schon seit 1995 vorsorglich Investitionsfondsdarlehen beim Land Hessen für den Bau der Teilortsumgehung beantragt. Bis heute sind bereits 2.500.000 Mark bewilligt, weitere 1.575.000 Mark sind beantragt. Diese Investitionsdarlehen sind zinslos, die Tilgung erfolgt in einem Zeitraum von 20 Jahren mit 40 gleichen Halbjahresraten. Die bisher gewährten Investitionsdarlehen werden wie folgt fällig: 2001 800.000 Mark, 2002 500.000 Mark, 2003 eine Million Mark und 2004 200.000 Mark.

Bürgermeister Schick ist deshalb zuversichtlich, dass die Stadt ihren Anteil an der Teilortsumgehung ohne Zinsbelastung finanzieren kann.

Grafische Darstellung der Kosten
Einzelaufstellung der Kosten
MaßnahmeKosten
1. Grunderwerb 6.626.000 DM
2. Untergrund, Unterbau, Entwässerung 4.312.000 DM
3. Oberbau (Straßen) 1.884.000 DM
4. Bogenbrücke mit Nebenanlagen 8.531.000 DM
5. Stützwände (Bahnhofstraße, Frankfurter Straße, Landtor) 7.954.000 DM
6. Tunnel mit Nebenanlagen 10.352.000 DM
7. Sonstige Baumaßnahmen (Parkhaus, Treppen, Sockel) 10.174.000 DM
8. Ausstattung (Schilder, Lampen, Signalanlagen, Bepflanzung) 3.176.000 DM
9. Sonstige besondere Anlagen und Kosten 1.398.000 DM
Bauzeiten
ZeitraumMaßnahme
Oktober 2000 Baubeginn Stützmauer
Frühjahr 2001 Baubeginn Stützmauer an der Lahn
Ende 2001 - Ende 2003 Bau der Lahnbrücke, des Tunnels und des Parkhauses
2003 - Mitte 2004 Bau der Stützmauer im Bereich des Landtores
einschließlich der Fußgängerbrücke
Mitte 2003 - Ende 2004 Herstellung der Straßenanschlüsse
(Limburger Straße, Am Postplatz, Bahnhofstraße, Ahäuser Weg, Weilstraße, Landtor, Frankfurter Straße, Vorstadt)
Jahreswechsel 2004/2005 Abschluß mit Restarbeiten
(Landschaftsbau und Straßenausstattung)
Allgemeine Angaben zu Lahnbrücke, Weiltaltunnel und Parkhaus
Neue Lahnbrücke
(Bogenbrücke mit aufgeständerter Vorlandbrücke)
Weiltaltunnel
Lichte Weite: 143 m Länge: 132,50 m
Länge der Bogenbrücke: 55 m Steigung: 3,3 %
Höhe über der Lahn: 12 m Das Parkhaus
Breite: 15,5 m Geschosse: 2
Breite der Fahrspuren (3): 3,5 m Parkplätze: 193
Breite der Gehwege (2): 2 m
Gefälle: 2,9 %