Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 28.10.2000

Erster Spatenstich im Regen

"Brücke in die Zukunft"

Von unserem Redakteur Wolfgang Henss

Weilburg. Sie rammten die blitzenden Spaten in die Lahnwiese am Hallenbad, dass der weiche Boden nur so flog: Dr. Herbert Hirschler, Karlheinz Weimar, Hans-Peter Schick, Eckart Will und Guntram Gumprecht ließen den Verdacht auf kommen, sie wollten das Bauwerk, für das sie gestern mit dem ersten Spatenstich grünes Licht gaben, selbst in Windeseile errichten. Doch es war nicht der Zeitdruck, der den Staatssekretär im Hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, den hessischen Finanzminister, den Weilburger Bürgermeister, den Ministerialdirigenten aus dem Bundesverkehrsministerium und den stellvertretenden Präsidenten des Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen so zur Eile trieb. Es war der strömende Regen, der die Begleitmusik zum Baubeginn der Weilburger Teilortsumgehung spielte und der die Akteure und Zeugen dieses historischen Aktes schleunigst in das benachbarte Bootshaus flüchten ließ.

Weilburg, Lahn, der erste Spatenstich zur Teilortsumgehung am 27.10.2000; WT v. 28.10.2000; Foto: W. Henss

Im strömenden Regen stachen die Spaten in die Wiese (von links): Dr. Herbert Hirschler, Karlheinz Weimar, HansPeter Schick, Eckard Will und Guntram Gumprecht. In der Mitte hinter den Hauptdarstellern freute sich Weilburgs Ortsvorsteher Hans Pross über seine (Regenschirm) tragende Rolle. (Foto: Henss)

Guntram Gumprecht begrüßte dort im Namen der Straßenbauverwaltung viele Gäste, darunter Mitglieder des Weilburger Magistrats, des Stadt- parlaments und des Ortsbeirates. Gekommen waren auch Regierungspräsident Wilfried Schmied, Landrat Dr. Manfred Fluck, die Landtagsabgeordnete Hildegard Pfaff, Mitarbeiter des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV), aber auch eine Reihe interessierter Bürger. Gumprecht verglich die Herausforderungen, die das ASV in den nächsten Jahren zu bestehen hat, mit einem ingenieurmäßigen Zehnkampf "unter den Augen tausender Zuschauer".

Wie Eckart Will vom Bundesverkehrsministerium, der für den verhinderten Bundesfinanzminister Hans Eichel in die Bresche gesprungen war, streifte Gumprecht auch die hohen Kosten der Altstadtumfahrung (54 Millionen Mark für 885 Meter). "Klasse hat seinen Preis" gab sich Gumprecht jedoch selbstbewusst. Er bekam Rückenwind aus Berlin, denn die "überzeugende Planung", so Eckhart Will, habe den Bund bewegt, die Mittel bereitzustellen, auch wenn die Teilortsumgehung Weilburg "einer der teuersten Kilometer ist, die der Bund in Deutschland gebaut hat." Das Verkehrsministerium gab jedoch aus Überzeugung seine Zustimmung, weil zum einen diese Baumaßnahme im Zuge der B 456 für Weilburg eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und städtebaulichen Entfaltungsmöglichkeiten bedeute und zum anderen der Bund auch zukünftig dem Bau von Ortsumgehungen einen hohen Stellenwert einräume.

Sensibles Umfeld

Staatssekretär Dr. Hirschler scheint Stammgast in Weilburg zu werden. Im Juni 1999 kam er zum ersten Spatenstich für den Neubau der Ahäuser Brücke, über den zum 1. Juni 2001 der Verkehr fließen soll, im vergangenen August unterschrieb er den Planfeststellungsbeschluss, und jetzt kam er auch zum Spatenstich für seinen verhinderten Minister Dieter Posch. Hirschler fand, dass sich die lange diskutierte und nun endlich gefundene Lösung gut in das sensible Umfeld der Residenzstadt einfüge. Er bat bei der Bevölkerung um Verständnis für die Behinderungen, die sich bei der Verwirklichung der Umgehung nicht verhindern lassen, damit das Projekt rechtzeitig zum Hessentag 2005 in Weilburg vollendet ist.

Dankbarkeit, Erleichterung und Stolz, aber auch Zukunftszuversicht schwangen in der Rede von Bürgermeister HansPeter Schick. Er bezeichnete den 27. Oktober 2000 als den bedeutendsten Tag in der Geschichte der Stadt Weilburg in den letzten 50 Jahren. Schick ließ noch einmal die Vorgeschichte der Umgehung von den ersten Forderungen in den 60-er Jahren über die Grundsatzentscheidung im Stadtparlament (November 1981) und die Überwindung der letzten planungsrechtlichen Hürden bis zur Finanzierung im vergangenen Sommer Revue passieren.

Sein Dank richtete sich besonders an Hans Schmidt vom hiesigen Straßenbauamt, Abteilungsleiter Rolf Crone vom hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, an Ex-Ministerpräsident Hans Eichel und Landrat Dr. Fluck, an die Minister Posch und Weimar und an Stadtverordnetenvorsteher Norbert Dieth.

Stadtverträglicher

Schick bedankte sich aber auch bei den Menschen, die durch ihre kritische Einstellung für eine Überplanung des Projektes sorgten und es damit stadtverträglicher gestalteten. Schick verhehlte nicht, dass die Bemühungen um einen erfolgreichen Abschluss des Verfahrens an seine Substanz gingen. Doch "am Ende gewinnt der, der am meisten aushalten kann," bilanzierte der Bürgermeister.

Schick drückte die Hoffnung und Erwartung aus, dass die "Brücke in die Zukunft" wie er die neue Lahnüberquerung nannte, die Teile der Stadt noch dichter zusammenwachsen und eine Einheit bilden lassen. Die Altstadt werde aufatmen, eine neue Lebensqualität werde entstehen. Die Umgehung sei aber auch ein Projekt für die Oberlahnregion.