Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 14.11.2002

Berg zwischen Weilstraße und Ahäuser Weg entpuppt sich als harter Brocken

Täglich zwei Meter Tunnel

Von Dieter Nobbe (0 64 71) 93 80 29 redaktion.wt@mail.mittelhessen.de

Weilburg. Tag für Tag und jeweils zwei Meter weit schiebt sich der „Mechthild-Tunnel" von der Weilstraße aus immer tiefer in den Berg. Am Dienstagabend waren es 37 Meter, die die Mineure der Schachtbau Nordhausen GmbH (SBN) dem aus hartem Diabas-Gestein bestehenden Gebirge unter dem Friedhof bis unter der Heiliggrabkapelle hin abgerungen haben. Und so soll es rund um die Uhr weitergehen, 24 Stunden täglich.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, WT v. 14.11.2002; Foto: Dieter Nobbe

Die Maschine im Vordergrund bohrt Löcher für jeweils drei Sprengungen. Die Mineure sichern den Vortrieb dann durch Stahlanker und Rundbögen, die mit Beton ausgespritzt werden. (Alle Fotos: Dieter Nobbe, www.dinpress.de

Licht am Ende des knapp 120 Meter langen Tunnels im Ahäuser Weg könnten die Thüringer Bergbauspezialisten etwa Mitte bis Ende Januar sehen, wie Diplomingenieur Werner Laux vom Amt für Straßenbau und Verkehrswesen (ASV) bei einer Besichtigung der quirligen Baustelle schätzte.

Die zunächst gehegte Hoffnung, bereits bis Ende dieses Jahres, vielleicht sogar zu Weihnachten - oder ganz kühn bis zum Tag der heiligen Barbara als Schützpatronin der Bergleute am 4. Dezember - den Durchschlag zu schaffen, erfüllt sich demnach nicht.

Hartes Gestein

Der Grund liegt zum einen in dem überaus harten Gestein des schmalen Bergrückens zwischen Altstadt und Taunusseite. Andererseits wird es nur in Teilstücken von je etwa einem Meter abgesprengt, gedacht hatte man zunächst an einen jeweiligen Vortrieb von drei bis vier Metern täglich.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, WT v. 14.11.2002; Foto: Dieter Nobbe

Von links: Die Straßenbau-Vertreter Henning Pötz und Werner Laux sowie Bauleiter Ronald Voigt und Niederlassungsleiter Jürgen Schmidt vor dem Tunneleingang

Aber die Sicherheit steht an oberster Stelle, wie sowohl Laux vom ASV wie auch SBN- Niederlassungsleiter Jürgen Schmidt betonten: „Wir achten streng darauf, dass die zulässigen Erschütterungswerte bei den täglichen Sprengungen nicht überschritten werden."

Dumpfe Schläge

Die nämlich werden an vielen Mess-Stellen an den benachbarten Häusern am Mühlberg, in und um den alten Friedhof, an den Versorgungsleitungen und den Häusern in der Frankfurter Straße festgestellt und dokumentiert.

Jeweils drei Sprengungen werden mit einer Riesenmaschine vorbereitet, die zwischen 120 und 140 Sprenglöcher bohrt, die dann insgesamt 40 Kilogramm Sprengstoff aufnehmen. Nach zunächst einem und dann zwei trompetenähnlichen Tönen sind kurz hintereinander die dumpfen Donnerschläge in manchen Teilen der Stadt deutlich vernehmbar. Gesprengt wird täglich zwischen 7 und 21 Uhr.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, WT v. 14.11.2002; Foto: Dieter Nobbe

Über dem Tunnel (hier das Portal in der Weilstraße) erstreckt sich mit der Heiliggrabkapelle (oben links) und dem Kalvarienberg sensibles, denkmalträchtiges Gebilde.

Ein großer Frontlader in dem etwa 12 Meter breiten Tunnel nimmt dann die herausgesprengten Brocken auf und lädt sie auf Lastwagen - „die Ortsbrust wird beraubt" heißt das in der Sprache der Mineure. Staub liegt in der Luft, dann werden Stahlbögen mit Bewehrungsmatten an die gebogenen und etwa acht Meter hohen Tunnelwände montiert und die Decke mit Spritzbeton zunächst gesichert. Vier Meter tief einbetonierte Stahlstangen verankern die Tunneldecke fest im umgebenden Gestein.

Fünf Mineure sind ständig vor Ort bei der Arbeit, während der Tageszeit von zwei Handwerkern für die Betreuung, Pflege und eventuelle Reparatur des hochtechnisierten Maschinenparks unterstützt. Die Bauleitung haben Bergbau-/Tiefbau-Diplomingenieur Ronald Voigt sowie seine Stellvertreter Volker Graubner und Ralf Langner.

24-Stunden-Tag

Die 24-Stunden-Tagesarbeitszeit ist nicht etwa eine Weilburger Besonderheit, sondern im Bergbau üblich - „wir wollen den Berg während der Bauarbeiten nicht allein lassen" lautet die leichten Aberglauben verratende Auskunft der Bergbaufachleute.

Am kommenden Barbaratag, 4. Dezember, werden sie sich zu einer Andacht mit Weilburger Geistlichen zusammenfinden, dabei wird die Barbarastatue, schon beim feierlichen Tunnelanschlag am 5. August dabei, aufgestellt.

Mit den unmittelbaren Nachbarn der Baustelle haben sowohl die Bergbauleute als auch die ASV-Mitarbeiter mit Werner Laux und Henning Pötz ein gutes Auskommen. Anfängliche Verstimmungen haben sich schnell gelegt, ein neben dem Tunneleingang aufgeworfener Lärmschutzwall trägt dazu bei, ein doppelter Vorhang vor dem Tunnel ebenso. Und die gesellige Fröhlichkeit von Volker Graubner, der im kleinen Kreis auch gern „Schorsch" gerufen wird, hat ebenfalls nicht geringen Anteil. In den nächsten Tagen sind die Tunnelbauer bei den direkten Nachbarn zum Bier eingeladen.