Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 05.12.2002

"Mechthild-Tunnel" unter dem Kalvarienberg angekommen

Bergleute feiern Barbaratag

Von Dieter Nobbe (0 64 71) 93 80 29 redaktion.wt@mail.mittelhessen.de

Weilburg. Tunnelbauer und Bergleute arbeiten rund um die Uhr, das haben die Weilburger bereits erfahren. Aber dass sie zudem nur zwei Feiertage haben, war manchem neu. Nämlich Weihnachten und der 4. Dezember - Barbaratag. Und der war gestern, und so wurde am Tunnel nicht gearbeitet, sondern in der aufgeräumten Baustelle gefeiert, an Tischen gegessen und getrunken, der heiligen Barbara gedacht und auch einige „traditionell-gesellige" Ehrungen vorgenommen.

Über 50 Bergleute, Mitarbeiter des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) Dillenburg sowie Gäste aus der Stadt mit Tunnelpatin Mechthild Schick hatte Diplom Ingenieur Werner Laux von der ASV-Außenstelle Weilburg am derzeitigen Ende des Tunnels begrüßt.

Der ist mittlerweile 74,5 Meter tief in den Berg getrieben, die große Bohrmaschine vor der Tunnelwand steht in diesen Tagen genau unter dem Kalvarienberg neben dem alten Friedhof an der Frankfurter Straße.

Die Pfarrer Friedrich-Heinrich Barkowski von der evangelischen und Hans Mayer von der katholischen Kirche in Weilburg hielten eine Andacht und erinnerten an die heilige Barbara, die seit dem 4. Jahrhundert verehrt wird.

Eine Statue der Heiligen, in einem Häuschen untergebracht, hatten die Bergleute wie schon beim Tunnelanschlag am 5. August auf einem großen Felsbrocken aufgestellt.

Diplom Ingenieur Dr. Eberhard Anders, Geschäftsbereichsleiter Untertagebau der Schachtbau Nordhausen GmbH (SBN), hielt sich nicht lange mit dem Rückblick auf die bisherige Arbeit seines Unternehmens auf („bisher fast unfall- und schadensfrei"), sondern folgte auch bergmännischer Tradition einer Barbarafeier, erklärte den Tunnel für einen Tag zum Bergwerk und übergab Bürgermeister Hans-Peter Schick ein entsprechendes Reglement.

Dann war Schicks Ehefrau und Tunnelpatin Mechthild dran, ihr wurde nach allerlei launigen Prüfungen ein „Ehrenarschleder" verliehen, eine Art rückseitig zu tragender Schürze, mit der sich früher auf dem Rücken arbeitende Bergleute in engen Stollen und Schächten vor Kälte und Nässe schützten.

Auch Werner Laux wurde dem gleichen Zeremoniell unterzogen mit der Maßgabe, das „Arschleder" gut sichtbar aufzuhängen.

Dass Bergleute keine Kluft, sondern einen Bergmannskittel tragen und dass das keine Uniform ist, sondern eine Tracht, lernten die Gäste auch, die zum Schluss gemeinsam das Bergmannslied sangen und beim Abschied nicht etwa „Auf Wiedersehen" sagten, sondern „Glück auf".

Heute und zunächst bis Weihnachten wird dann wieder gesprengt und geräumt, damit der Tunnel nach den restlichen 44 Metern irgendwann im Januar am Ahäuser Weg angekommen ist.