Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 11.02.2003

Tunnelpatin Mechthild Schick durchbrach gestern um 11.35 Uhr die letzte Wand

Tunneldurchstich geriet zum Volksfest

Von Wolfgang Henss (0 64 71) 93 80 30 w.henss@mail.mittelhessen.de

Weilburg. Kaum war gestern um 11.35 Uhr der Durchstich am neuen Straßentunnel in Weilburg geglückt, kam es auch schon zum ersten „Stau": Hunderte interessierter Zaungäste aus Weilburg und dem Umland drängten sich vom Ahäuser Weg durch das nur ein paar Quadratmeter große Loch in Richtung Weilstraße, während fast ebenso viele Augenzeugen des Spektakels im Gegenverkehr den Weg zum Licht am Ende des Tunnels wählten. Das historische Ereignis geriet, wenn auch nicht geplant, zu einem Volksfest.

Mit dem gestrigen Tag ist der Bau der Teilortsumgehung ein gutes Stück vorangekommen, die nächsten Schritte werden in Kürze folgen. Auch deshalb sah man durchweg zufriedene Gesichter bei den Verantwortlichen vom Amt für Straßenund Verkehrswesen (ASV), der Stadt und der Firma Schachtbau Nordhausen, die den Tunnel mit Fingerspitzengefühl in rund sechsmonatiger Bauzeit durch den Berg getrieben hat.

In Bild und Ton

Tunnelpatin Mechthild Schick blieb es vorbehalten, mit einigen kräftigen Hieben der Baggerschaufel die letzten trennenden Zentimeter durchzuschlagen, ehe ihr Ehemann, Bürgermeister Hans-Peter Schick (parteilos) als erster durch die Öffnung stieg, gefolgt von ASV-Amtsleiter Martin Weber, Projektleiter Werner Laux, Landrat Dr. Manfred Fluck (SPD), den Bürgermeistern Jörg Sauer (Löhnberg) und Thorsten Sprenger (Weinbach) sowie einer großen Schar von Bürgerinnen und Bürgern, die sich zuvor im Tunnel auf das Ereignis eingestimmt hatten. Ein Kamerateam des Hessischen Rundfunks drehte für die „Hessenschau", auch die Radiosender hr4 und FFH hielten das Ereignis im Ton fest.

Martin Weber begrüßte die große Gästeschar viele Meter unter der Frankfurter Straße und freute sich besonders darüber, dass während des Baues kein Unfall zu beklagen war. Landrat Dr. Fluck beglückwünschte die Stadt für diesen wichtigen Abschnitt zur Fertigstellung des 3,9 Millionen Euro kostenden Tunnels. Tunnelpatin Mechthild Schick betonte, dass sie gerne diese Aufgabe übernommen habe. Nachdem sie auch ihre „Prüfung" als Baggerlenkerin erfolgreich bestanden hatte, gab es für sie Blumen und eine Urkunde, die ihr Dr. Eberhard Anders, der Geschäftsbereichsleiter der Firma Schachtbau Nordhausen überreichte. Anders (dem Anlass entsprechend in Bergmanns-Tracht) wartete mit einigen imposanten Zahlen auf. So wurden rund 16 000 Kubikmeter Fels abgetragen, herausgesprengt und weggeschafft. Sie werden übrigens zum Bau der Umgehung in Obertiefenbach verwendet. Kam man bei den Sprengarbeiten am Anfang noch bis zu zwei Meter täglich voran, so musste man sich später mit einem halben Meter im Bereich zwischen Heiliggrab-Kapelle und Kalvarienberg bescheiden, um hier keine Schäden anzurichten. Dadurch verzögerte sich die Bauzeit um rund vier Wochen. Dennoch: Es wurden 18 Tonnen Sprengstoff und 19 500 Zünder eingesetzt, um die knapp 120 Meter lange Tunnelröhre durch den Berg zu treiben. Sie wurde durch rund 5000 Tonnen Spritzbeton und 1100 Felsanker gesichert.

Bürgermeister Schick bedankte sich beim ASV und den Mineuren der Firma Schachtbau/Nordhausen für die zügige Arbeit. "Von diesem Straßentunnel profitiert die ganze Region", sagte Schick, die Teilortsumgehung werde zu einem Entwicklungsschub für die Oberlahnregion. Der 10. Februar 2003 sei ein herausragender Tag im 1100-jährigen Leben der Stadt und ein Meilenstein auf dem Weg, Weilburg fit zu machen für die Zukunft.

Verkehrsfreigabe

Schick kündigte an, dass der Tunnel noch in diesem Jahr die Verkehrsfreigabe erhält (nach Planung des ASV voraussichtlich Ende Oktober). Im März beginne der Bau der neuen Lahnbrücke und der Parkeinrichtung. Außerdem soll in diesem Jahr noch der Kreisel am Postplatz gebaut werden.

Wie das Amt für Straßen- und Verkehrswesen mitteilte, werden im Laufe dieser Woche alle Sprengarbeiten am Tunnel abgeschlossen. Danach entfällt auch die Nachtarbeit. Im Tunnel werden nach Abschluss der Vortriebsarbeiten (das Niveau im Ahäuser Weg wird noch um rund drei Meter gesenkt) die Abdichtung und Entwässerung hergestellt und die Tunnelinnenschale betoniert. Außerdem werden die Stützmauern im Bereich der Tunnelportale gebaut sowie die notwendigen Straßenbau- und Erdarbeiten erledigt.

Angesichts des historischen Ereignisses ließ sich das ASV nicht lumpen: Alsbald zogen verführerische Düfte aus von der Weilburger Feuerwehr bedienten Grillpfannen durch den Tunnel, und die Gäste stießen auf das Gelingen des Werkes an.

Der Tunnel

Der Straßentunnel zwischen Weilstraße und Ahäuser Weg, ein Teilprojekt im Rahmen der Verwirklichung der Teilortsumgehung (TOU) im Zuge der Bundesstraße 456, kostet 3,9 Millionen Euro (bei Gesamtkosten der TOU von rund 28 Millionen Euro). Er hat eine Gesamtlänge von 132,5 Meter (118,25 Meter in bergmännischer Bauweise sowie 14,25 Meter in offener Bauweise im Bereich des Südportals). Die Fahrbahn ist zweimal 3,75 Meter breit, an den Fahrbahnrändern gibt es dazu sogenannte Dienststege von einem Meter Breite. Die lichte Höhe des Tunnels beträgt 6,50 Meter in der Mitte und mindestens 4,50 Meter an den Fahrbahnrändern. Wegen der geringen Länge ist keine besondere Betriebs- und Sicherheitstechnik erforderlich. Es wird lediglich eine Beleuchtung installiert.