Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 02.05.2003

Bau der Teilortsumgehung jetzt unter Volldampf

Ein 100-Tonnen-Koloss beißt sich fast die Zähne aus

Von Wolfgang Henss (0 64 71) 93 80 30 w.henss@mail.mittelhessen.de

WeilburgDer Logenplatz für die Teilortsumgehung ist rechts neben der Döner-Bude: Von der Stützmauer über dem Ahäuser Weg hat man den besten Überblick.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, Baugrube für Parkdeck, Foto: W. Hensss, WT v. 02.05.2003 Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, Bohrgerät für Pfahlgründung, Foto: W. Hensss, WT v. 02.05.2003

Vom Gelände der ehemaligen Tankstelle am Landtor hat man den besten Überblick über die Großbaustelle (Bild links). Bis zu 14 Meter tief wird die hier entstehende Baugrube, die später das zweistöckige Parkhaus ausfüllt. Auf dem gegenüberliegenden Lahnufer ist ein 100-Tonnen-Bohrgerät (Bild rechts) damit beschäftigt, die Pfähle für das Fundament der Vorlandbrücke zu bohren. (Alle Fotos W. Henss, WT v. 02.05.2003)

Direkt unter dem Betrachter verlegen Mitarbeiter der Stadtwerke neue Gasleitungen, links am Gebück treibt eine Maschine Anker in den Fels, wo in ein paar Monaten bereits die neue Lahnbrücke stehen soll. Davor zeigen halbkreisförmig in die Erde gerammte Doppel-T-Träger die Form der zukünftigen Parkhaus-Schnecke. Unten am Lahnufer wird fleißig die Sohle für das zweistöckigte Parkhaus ausgebaggert und ein Riesenkran aufgebaut. Am gegenüberliegenden Flussufer kämpft ein 100-Tonnen-Koloss mit dem knallharten Untergrund. Und bei einem Blick nach rechts schaut man auf den Mund des Mühlbergtunnels, in dem die Ausbauarbeiten zügig weitergehen.

Werner Laux, der für diesen ganzen Bauzirkus zuständige Projektleiter beim Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) in Weilburg, schaut zuversichtlich in die unter ihm liegende Arena. Alles läuft weitgehend wie geschmiert, auch wenn man mit den einen oder anderen Unwägbarkeiten kämpfen muss.

So bei der Gründung für die neue Brücke am Lahnufer auf der Westerwaldseite. Hier sind die Bohrer wohl auf den härtesten Felsen weit und breit gestoßen. 18 Pfähle, je sechs Meter lang, tragen die Bodenplatten, auf denen später die Vorlandbrücke steht. Jeweils sechs der einen Meter durchmessenden Pfähle bilden mit der Platte quasi einen Beton-Schemel.

Und jeder Pfahl sollte ursprünglich einen Meter tief in der Felsplatte, in die sich die Lahn eingegraben hat, verankert werden. Doch der Diabas ist wenig geneigt, nachzugeben. In zwei Stunden schafft der Bohrer des Spezialgerätes der Firma Bauer, dem Spezialisten für solche Arbeiten, gerade mal 20 Zentimeter. In Absprache mit dem Prüfingenieur hat sich das ASV entschlossen, es bei diesen 20 Zentimetern zu belassen.

Keinen Rabatt

Keinen Rabatt gibt es allerdings bei dem schwersten Stück Arbeit, das dem Bohrgerät noch bevorsteht. Das sogenannte Kämpfer-Fundament. Hier setzt der Bogen für die eigentliche Lahnbrücke an.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, Widerlager der Vorlandbrücke, Foto: W. Hensss, WT v. 02.05.2003

Am Hallenbad wird zurzeit das rund acht Meter hohe Widerlager für die Vorlandbrücke eingeschalt.

Diese Stelle muss den größten Druck aushalten. Deshalb werden hier pro Fundament 20 Pfähle mit einem Durchmesser von 1,50 m mindestens einen Meter tief in den Fels getrieben, manche nach hinten geneigt, um noch mehr Druck abzufangen.

Insgesamt, so Werner Laux werden beim Bau der Brücke und des Parkhauses Gründungspfähle in einer Gesamtlänge von 2000 Metern eingerammt, allein für das zweistöckige Parkhaus sind es 180 Pfähle mit einer Gesamtlänge von rund 1600 Metern, rund 9 Meter pro Pfahl bei 1,20 Meter Durchmesser.

Erdbewegungen

Imposant sind auch die Erdbewegungen. Die Bagger heben das größte Loch von Weilburg aus: 18 000 Kubikmeter werden auf die Beselicher Deponie gebracht. Bevor er dort deponiert werden darf, muss er geprüft werden. In diesem Fall ist es schwach belasteter Boden. Im Klartext: Rückstände der abgerissenen Gebäude, die hier standen.

Bis zu 14 Meter tief wird die dadurch entstehende Baugrube. Sie muss natürlich entsprechend verbaut werden. Doppel-T-Träger und Kanthölzer in vier verschiedenen Lagen sichern die Baustelle. Die Verbauung selbst wird wieder durch 12 bis 14 Meter lange Felsanker gesichert. Auch der Eingriff in das benachbarte Gebück, der nicht mehr als zwei Meter betragen darf, ist eine Frage der Sicherheit. Ein Spritzbetonverbau und sogenannte „Nägel" als Anker bewahren den Hang vor Gleichgewichtsproblemen. Später wird man von alledem nichts mehr sehen, denn nach Fertigstellung der Brücke werden diese Narben mit Erde abgedeckt und hinter Stützmauern verschwinden.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, Sicherung des Hangs im Gebück, Foto: W. Hensss, WT v. 02.05.2003

Der Hang im Gebück (rechts) wird durch eine Spritzbetonverbauung gesichert.

Nachdem die Sprengmeister im benachbarten Mühlbergtunnel ihre Arbeit erledigt haben, ist es hier etwas ruhiger geworden. Doch auch in der Röhre wird emsig gearbeitet. Ab Mitte Mai, schätzt Werner Laux, wird der Schalwagen die Innenschale des Tunnels aufbringen. Ab November, ist Laux sich sicher, kann hier der Verkehr fließen, zunächst allerdings nur aus Richtung Weiltal in Richtung Ahausen und umgekehrt. Den Straßenbau in der Weilstraße und die Anbindung des Ahäuser Weges hat das ASV ausgeschrieben.

Schautafel

Der Logenplatz neben der Döner-Bude mit dem besten Blick auf die Weilburger Jahrhundert-Baustelle wird demnächst noch wertvoller: Eine Schautafel erläutert dem Betrachter das Werk. Und natürlich ein Schild mit der Aufschrift „Hier baut die Bundesrepublik Deutschland. . ." Denn schließlich soll der Steuerzahler doch wissen, was mit den 28 Millionen Euro geschieht, die hier der Bund (und anteilmäßig Land und Stadt Weilburg) investieren.