Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 18./19.06.2003

Bohrexperten kämpfen mit dem Untergrund

Materialschlacht am Gebück

Von Wolfgang Henss (0 64 71) 93 80 30 w.henss@mail.mittelhessen.de

Weilburg Zu einer "Materialschlacht" am Gebück, so Werner Laux vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) sind mittlerweile die Bohrungen für die Gründung der neuen Lahnbrücke und des benachbarten Parkhauses im Zuge der Teilortsumgehung geworden. Der Diabas auf beiden Seiten des Lahnufers hat eine derart unvorstellbare Härte, dass der Fachbegriff "Kämpfer-Fundament" für die Baufachleute eine ganz neue Bedeutung gewinnt.

Denn der 100-Tonnen-Bohrer der Spezialbaufirma Bauer führt wirklich einen gewaltigen Kampf mit der Felsbarriere. In zwei Stunden frisst sich das Bohrgerät, dessen Zähne immer wieder stumpf werden und ausgewechselt werden müssen, nur rund zehn Zentimeter in den schier unüberwindbaren Untergrund hinein. Zu wenig, um die FundamentPfähle ausreichend tief zu verankern. Hier setzt der Bogen für die eigentliche Lahnbrücke an. Diese Stelle muss den größten Druck aushalten. Deshalb sollten hier 20 Pfähle mit einem Durchmesser von 1,50 m mindestens einen Meter tief in den Fels getrieben werden.

Schon auf der Westerwaldseite mussten ASV und Statiker improvisieren. Sie verzichteten auf die vorgesehene Tiefe der Gründung und setzten dafür eine Reihe mehr Pfähle. Das soll möglicherweise nun auch auf der Taunusseite geschehen. In der kommenden Woche soll darüber mit den Beteiligten gesprochen werden.

Zeit wieder aufholen

Denn durch die Probleme bei den Brückenfundamenten konnte bisher noch kein einziger Gründungspfahl für das Parkhaus gesetzt werden, und auch hier, dürften die BohrExperten so manchen Fluch ausstoßen. Rund 1600 Meter an Gründungspfählen müssen in den widerspenstigen Untergrund getrieben werden.

Vier bis fünf Wochen, so Laux, liege man deshalb beim Parkhaus hinter dem Zeitplan zurück. Kein großes Problem, denn erst im nächsten Frühjahr soll das Parkhaus fertig sein und überschüttet werden. Dennoch soll möglicherweise durch den Einsatz eines zweiten großen Bohrgerätes die Zeit wieder eingeholt werden. Ein zusätzliches kleineres Gerät soll für Sondierungsbohrungen eingesetzt werden.

Derweil gehen die Arbeiten für die Brücke voran. Am Hallenbad ist mittlerweile das Widerlager der Vorlandbrücke betoniert und ausgeschalt worden, auch die ersten Stützen der in rund acht Meter Höhe zur eigentlichen Brücke führenden Fahrbahnkonstruktion sind bereits zu erkennen. In einigen Wochen bereits wird die Fahrbahnplattform eingeschalt werden. Bis dahin dürften auch die Vorbereitungen an der neuen Lahnbrücke soweit gediehen sein, dass dort mit dem Bau des Brückenbogens begonnen werden kann.

Im Zeitplan, so Werner Laux, ist der Tunnelbau. Hier haben die Arbeiter mittlerweile eine Abdichtungsfolie eingezogen. Jetzt fährt der auf Schienen gelagerte Bewehrungswagen durch die Röhre, dem der sogenannte Schalwagen folgt, mit dem die 40 Zentimeter starke Betonschale aufgebracht wird. Im November, so rechnet Laux, wird der Tunnel in Betrieb gehen können. Danach will das ASV umgehend den Mühlberg schließen, um dort die Straße zu verfüllen und den für die Verkehrsregelung benötigten Platz zu schaffen, wenn im nächsten Jahr die Frankfurter Straße abgesenkt und an die neue Brücke angeschlossen wird.