Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 24.10.2003

Vorlandbrücke betoniert

Auftakt zum Brückenschlag

Von Wolfgang Henss (0 64 71) 93 80 30 w.henss.wt@mail.mittelhessen.de

Weilburg "Eins ist sicher: Im Dezember 2004 ist die Brücke für den Verkehr frei!" Werner Laux, Projektleiter bei der Weilburger Außenstelle des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV), bläst der Wind ins Gesicht. Doch es ist nur der eiskalte Herbstwind. Rückenwind dagegen empfindet Laux, als er gestern Vormittag den Blick über die Baustelle der Teilortsumgehung am Hallenbad schweifen lässt.

Weilburg, Lahn, Teilortsumgehung, Auftakt zum Brückenschlag, Foto: W. Henss,

500 Kubikmeter Beton flossen gestern in die Schalung der sogenannten Vorlandbrücke. Im Vordergrund (unten) das sogenannte Kempfer-Fundament, aus dem die Anschlusseisen für den künftigen Brückenbogen heraus ragen (Foto: Wolfgang Henss)

Betonmischer um Betonmischer fährt vor. Seit sechs Uhr entladen die Brummis ihre Fracht. Zwei Pumpen befördern das zähflüssige Material auf die rund acht Meter höher liegende Verschalung der Vorlandbrücke. Oben watet eine ganze Kolonne von Arbeitern in Gummistiefeln im wadenhohen Beton-Sumpf, lenkt die Rüssel der Pumpen mal auf die eine, mal auf die andere Seite, schiebt mit Rechen das Gemisch aus Stein und Zement in die kunstvoll geknüpfte Baustahl-Konstruktion und zieht mit einem der zukünftigen Fahrbahnneigung angepassten Metallgerüst den Beton ab.

Die Zeit drängt, denn in der Frühe war eine Pumpe ausgefallen. 500 Kubikmeter Beton, in zwei Mischwerken in Löhnberg und Werschau hergestellt, wollen in einem Rutsch verarbeitet sein. Gegen 10 Uhr ist die Kolonne aber wieder auf Erfolgskurs.

Mit dem Betonieren des ersten Teilstückes der zukünftigen neuen Lahnbrücke, die zwischen dem Widerlager am Hallenbad und dem sogenannten Kempfer-Fundament am Lahnufer auf schlanken Säulenpaaren ruht, ist ein wichtiger Abschnitt auf dem Weg zur Lahnüberquerung gelungen. Nach rund vier Wochen wird die Brückenkonstruktion ausgeschalt.

Chaos im Untergrund

Monatelang haben die vorbereitenden Arbeiten gedauert. Dabei bereiteten die Fundamente den Ingenieuren der Baufirma und des ASV besonderes Kopfzerbrechen. Eine recht chaotische geologische Situation ließ einerseits Bohrtrupps am harten Fels verzweifeln, andererseits Bohrer ins Bodenlose verschwinden.

So mussten bei der Gründung Betonpfähle bis zu einer Länge von 22 Mehr versenkt werden. Geplant waren ursprünglich Pfähle bis 16 Meter. Insgesamt erhöhte sich dadurch die Gesamtlänge der Pfähle von 1600 auf 2500 Meter Länge.

Besonders im Bereich des zukünftigen Parkhauses kam dadurch der Zeitplan ins Wanken. Jetzt aber sind die sogenannten Pfahlkopf-Platten, die jeweils auf vier Pfählen ruhen, betoniert. Die Baufirma ist zuversichtlich, die Zeit durch eine verbesserte Schaltechnik beim Bau des Parkhauses einzuholen.

Allein in den beiden Kempfer-Fundamenten an den Flussufern stecken rund 1500 Kubikmeter Beton. Das zeigt, dass die eigentliche Brückenkonstruktion recht schlank ist, denn für die Fahrbahn der eigentlichen Lahnbrücke werden nur weitere 500 Kubikmeter Beton benötigt, für den Brückenbogen rund 300 Kubikmeter. Mit der Verschalung des Bogens wird in der nächsten Woche begonnen.

Noch vor Weihnachten, schätzt Werner Laux, wird auch die neue Bogenbrücke betoniert werden können. Bis das erste Fahrzeug hier die Lahn überquert, wird es allerdings noch mehr als ein Jahr dauern, denn es fehlen ja noch die Straßenanschlüsse.

Deshalb wird im gesamten Abschnitt der Trasse auf der Westerwaldseite mit Hochdruck gearbeitet. Zur Zeit wachsen die Mauerbrüstungen aus Naturstein in die Höhe und lassen das zukünftige Bild der Straße erahnen. Die Firma Schnorrpfeil, die für die Brücke verantwortlich zeichnet, hat auch den Zuschlag für die Straßenbauarbeiten im Bereich der Limburger Straße erhalten. Noch in diesem Jahr soll mit der Absenkung der Limburger Straße und der Anbindung an die neue Trasse begonnen werden.

Die Firma Jost aus Weilmünster wird in der ersten Novemberwoche mit dem Anschluss des Tunnels an den Ahäuser Weg und die Weilstraße beginnen. Zur Zeit wird an beiden Tunnelportalen noch betoniert und verblendet.

Mühlberg schließen

Dem ASV ist dieser Schritt auch deshalb besonders wichtig, weil dann der Mühlberg geschlossen und die Serpentine dort aufgefüllt werden kann. Damit wird Spielraum geschaffen für die im nächsten Frühjahr anstehende Absenkung der Frankfurter Straße und der damit verbundene Bau von Stützmauern sowie der Anschluss der Bundesstraße an die Brücke.