Presseberichte zu Weilburg

Teilortsumgehung

Weilburger Tageblatt vom 13.11.1999

Baurecht rechtskräftig/Finanzierung sicher

Teilortsumgehung ist in trockenen Tüchern

Weilburg(hs). Der Stein, der Bürgermeister Hans-Peter Schick in dieser Woche vom Herzen fiel, war zentnerschwer: Am 4. November endete die Rechtsmittelfrist, während der gegen den Planfeststellungsbeschluss für die Teilortsumgehung geklagt werden konnte. Geklagt hat niemand, und somit ist das Baurecht für das Jahrhundertbauwerk, das im nächsten Jahrtausend verwirklicht wird, rechtswirksam. Und da mittlerweile auch Rot-Grün in Berlin die Finanzierung der sogenannten Variante G (Teilortsumgehung mit Parkdeck) sichergestellt haben, konnte sich Schick gestern mit Stadtverordnetenvorsteher Norbert Dieth freuen: "Der Weg für Weilburg in das nächste Jahrhundert ist frei." Baubeginn soll spätestens im Jahr 2001 sein. Schick rechnet mit einer Bauzeit von drei Jahren. Und wünscht sich, dass der Hessentagszug 2005 über die Brücke führt.

Der Bürgermeister erinnerte noch einmal an die wichtigsten Daten der vergangenen fünf Jahre: Am 31. August 1995 begann das Planfeststellungsverfahren, am 21 August 1999 wurde der Planfeststellungsbeschluss unterzeichnet, und am 4. November war es endlich amtlich, das Baurecht. Der Grunderwerb ist abgeschlossen.

54 Millionen Mark

Insgesamt wird die Weilburger Teilortsumgehung, über die rund 30 Jahre diskutiert wurde, 54 Millionen Mark kosten. Rund 47 Millionen davon trägt der Bund. Der Anteil der Stadt beträgt 6,6 Millionen Mark. Davon entfällt der größte Teil auf den Bau eines Parkhauses, das auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle entstehen soll. Das Land, das der Stadt bereits in den vergangenen Jahren 2,3 Millionen Mark als Investitionsfond-Darlehen zur Finanzierung ihres Anteils gewährte, hat darüber hinaus für die Finanzierung des Parkhauses der Stadt schriftlich einen Zuschuss zugesagt.

Hans-Peter Schick, der 1999 als das "Jahr der Brücken` bezeichnete (Baubeginn Ahäuser Brücke und Brücke Weilburger Kreuz sowie Baurecht für die Lahnbrücke), bedankte sich "bei allen Freunden der Stadt". Dazu zählte er das Amt für Straßen- und Verkehrswesen und nannte dabei besonders Sachbearbeiter Hans Schmidt, Rolf Crone, Abteilungsleiter im Hessischen Verkehrsministerium, dessen Kollegen Dr. Huber im Bundesverkehrsministerium, Ex-Ministerpräsident Hans Eichel und den früheren Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Matthias Kurth ebenso wie die neue Landesregierung, die Bundestagsabgeordneten Bärbel Sothmann und Dr. Werner Schuster, Dr. Frank Schmidt im Planungsstab der SPD-Bundestagsfraktion, Landrat Dr. Manfred Fluck sowie die Stadtverordnetenversammlung, den Magistrat, den Ortsbeirat und besonders Stadtverordnetenvorsteher Norbert Dieth, der sich stets für die Teilortsumgehung eingesetzt habe.

Dank an die Gegner

Schick dankte aber auch "den Menschen, die das Projekt verträglicher gestaltet haben" und schließlich denen, die über ihren eigenen Schatten gesprungen seien und auf eine Klage verzichteten.
Norbert Dieth sagte, es gebe in der Sache zwei Sieger. Zum einen die Bürger und die Stadtverordneten, die am 26. November 1981 nach mehreren teilweise hitzigen und emotionsgeladenen Bürgerversammlungen erstmals mit 29:7 Stimmen für die Variante G stimmten und in mehreren Abstimmungen in den Folgejahren diesen ersten Beschluss immer wieder bestätigten (zum Schluss sogar einstimmig). Zum anderen müsse man den Bürgermeister nennen, der zur Durchsetzung des Baurechts genau der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt gewesen sei.

Unkonventionell

Hans-Peter Schick habe durch seinen unkonventionellen Stil ("zur Not auch Türen eingerannt") die Sache durchgeboxt und schließlich sogar die letzten Gegner in Gesprächen dazu bewegt, den Bau der Brücke nicht durch eine Klage zu verzögern. Die Weilburger Bürger bat Dieth schon jetzt um Verständnis für die auf sie während der Bauphase zukommenden Verhältnisse.

"Der härteste Weg liegt hinter uns", sagte Schick, jetzt müsse mit den Vorarbeiten begonnen werden. Dazu zählt die Aufstellung eines Terminplans durch das Amt für Straßen -und Verkehrswesen und die Festlegung der einzelnen Bauschritte. Ob bei der europaweiten Ausschreibung auch heimische Firmen eine Chance haben, werde davon abhängig sein, ob das Projekt in einem Zug oder in Baulosen vergeben wird.